Wie es sich anfühlt, hinter einem der wohl besten Linksverteidiger der Welt meist nur auf der Bank zu sitzen, weiß Juan Bernat vom FC Bayern München wohl nur zu gut. Unter den Experten streitet sich indes der gesetzte David Alaba meist mit Real Madrids Marcelo um die Krone als nominell bester Außenverteidiger auf der linken Seite. Marcelos Ersatz hieß lange Zeit Fabio Coentrao, der zu Beginn der aktuellen Spielzeit jedoch eine neue Herausforderung suchte. Dies ist auch der Tatsache geschuldet, dass die Königlichen ein Auge auf eines der wohl größten Talente auf dieser Position geworfen hatten. Mit der Verpflichtung von Theo Hernández, der ausgerechnet von Erzrivale Atletico Madrid ins ehrwürdige Santiago Bernadeu wechselt, basteln die Galaktischen weiter am Kader der Zukunft. Wie haben den jungen Franzosen genau für euch analysiert und verraten euch, warum er Marcelo langfristig ersetzen wird.

Ein Wechsel, der die Gemüter erhitzt

Real Madrid verfolt derzeit eine Verjüngungskur des Kaders und das so rigoros, dass man auch auf etwaige Absprachen keine Rücksicht mehr zu nehmen scheint. Im Falle Theos scheint dies zumindest der Fall gewesen zu sein: Madrid brach im Zuge des Wechsels das “Gentlemen’s Agreement” zwischen den beiden Klubs, welches besagt, dass beide Vereine gegenseitig keine Spieler voneinander abwerben würden. Atletico und auch der FC Barcelona, der im Finale des spanischen Pokals auf Theo und Deportivo Alavés traf, versuchten vergeblich, den Spieler zu überzeugen. So aktivierte Madrid die auf 24 Millionen Euro dotierte Ausstiegsklausel im Vertrag des Spielers und verwehrte Atletico so jedes Mitspracherecht. Dies verdeutlicht den Stellenwert, den Theo in den Planungen der Königlichen einnimmt. Die Verantwortlichen trauen dem Youngster zu, Marcelo auf Dauer adäquat zu ersetzen – Lorbeeren, die einen erst 19-Jährigen angesichts eines Ausnahmespielers wie des Brasilianers gleichsam mit einem Ritterschlag versehen.

Theo auf dem Platz: Erinnerungen an Tottenhams Gareth Bale

In seiner Leihstation bei Deportivo Alavés hat Theo bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt, was sein Spiel auszeichnet: das 1,84m große Kraftpaket bringt aufgrund oder trotz seiner Physis eine beachtliche Endgeschwindigkeit auf den Rasen. Sein dynamischer Antritt beschert Theo in direkten Laufduellen sowohl in der Rückwärtsbewegung als auch in seinen Angriffsbemühgungen entscheidende Vorteile. Nimmt Theo mit dem Ball Fahrt auf, so pflügt er wie eine Dampfwalze durch die gegnerischen Abwehrreihen. Obwohl er es versteht, seinen Körper geschickt zwischen Ball und Gegenspieler zu positionieren und so in der Offensivbewegung außen am Verteidiger vorbeizuziehen, wählt er je nach Spielposition oft den diagonalen Weg ins Halbfeld oder in Richtung Box. Nach Balleroberung beschleunigt er das Spiel in der Umschaltbewegung so explosionsartig. In der Defensive hingegen stellt er die gegnersichen Angreifer mit seiner physischen Präsenz oft an der Außenlinie oder drängt diese ins Seitenaus ab.

Doch trotz seiner körperlichen Stärke, die in einer hervorragenden Ballkontrolle mündet, präsentiert sich Theo technisch versiert und gut im offensiven Dribbling. Von allen Spielern Deportivo Alavés wagte Theo in der letzten Saison die meisten Dribblings (100). In der Offensivbwegung hinterläuft Hernández gerne den vor ihm spielenden Außenstürmer, um nach Anspiel zur Grundlinie oder in den Strafraum zu ziehen. Nicht Wenige erinnert Theos Spielweise daher an den jungen Gareth Bale, der durch seine unermüdliche Art, sich in der Verteidigunsbewegung aufzureiben, und seine explosiven Vorstöße einst an der White Hart Lane als Linksverteidiger für Furore sorgte. Ähnlich eines Gareth Bale verfügt auf Theo über einen satten Schuss, mit dem er den gegnerischen Schlussman in Bedrängnis bringen kann. Durch sein zielgenaues und scharfes Flankenspiel aus dem Halbfeld ist es auch vorstellbar, dass der Franzose im Laufe seiner Karriere auch Einsatzzeiten auf dem vorgerückten Flügel sammeln wird.

Spieler mit galaktischer Zukunft

Oder gibt es für das Juwel andere Pläne? Denkbar ist auch, dass Theo auf Dauer Reals Kapitän Sergio Ramos ersetzen könnte. Nicht nur das äußere Erscheinungsbild des Franzosen ähnelt Ramos, sondern auch dessen Konsequenz im Zweikampf. In der abgelaufenen Spielzeit gewann der Außenverteidiger sogar mehr direkte Zweikämpfe als Real Madrids Nummer 4 (61% zu 59%). Im Kopfballspiel präsentiert sich Theo jedoch bisher nicht annähernd in den Gefilden eines Ramos. Hinter den Kulissen soll es demnach bereits Überlegungen geben, Theo langfristig als Innenverteidiger aufzubauen. Denkbar wäre beispielweise auch die Position des linken Verteidigers in einer Dreierkette – ein System, das von Trainer Zidane bisher jedoch auch aufgrund der beiden starken Außenverteidiger Marcelo und Carvajal nicht favorisiert wird. Auf dem Rasen wirkt Theo jederzeit selbstbewusst und konsequent. Sein Temperament, das sich in einem aggressiven Spiel gegen den Ball niederschlägt, ist wie so oft jedoch auch Grund für viele gelbe Karten innerhalb einer Saison. Will sich Theo langfristig als Außenverteidiger mit internationaler Klasse beweisen, so muss er hier noch besonnener agieren. Theo bringt jedoch alle Qualitäten mit, um neben Dani Ceballos, Vallejo, Marco Asensio und Lucas Vasquez zu einem der neuen Sterne am Firmament der Galaktischen zu werden.

 

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