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Analyse

The Warrior: Lewis Cook

Was haben die Airline Thomas Cook, benannt nach einem englischen Seefahrer, der Australien aus westlicher Perspektive erschloss, Schauspielerin Rachael Leigh und eben jenes großes englisches Fußballtalent Lewis gemeinsam? Richtig, den Nachnamen. Soweit so gut, das war ja einfach. Wie sieht es aus bei James Milner, Aaron Lennon, Harry Kewell, Alan Smith und Lewis Cook? Da wird es sicher schon kniffliger: Sie alle etstammen der Jugendakademie von Leeds United. Okay, eine Frage für den Rätselfan haben wir noch: Was ist der verbindende Faktor zwischen Gareth Bale, Fabian Delph, Dele Alli und Lewis Cook? Na, wer weiß es? Sie alle sind mit dem Football League’s Young Player of the Year Award ausgezeichnet worden. Doch wer verbirgt sich also hinter diesem jungen Mann, der schon als der nächste große Frank Lampard in England gehandelt wird? Talentkritiker hat den Werdegang des U17-Europameisters genau verfolgt und bringt euch seine Fähigkeiten auf dem Rasen näher.

Junger Leader aus Leeds

Geboren in York im Norden Englands schloss sich Cook bereits in jungen Jahren der einstigen Premier League Größe Leeds United an. Schnell zeigte sich dort das Talent des hart an sich arbeitenden jungen Spielers, was nicht zuletzt darin gipfelte, dass er bereits als 15-jähriger für die U18 aus Leeds auflief. Nachdem er den Abschluss der Jugendakademie in der Tasche hatte, rückte er ins erste Team des Klubs auf, welches unter Coach Neil Redfearn verstärkt auf Talente aus den eigenen Reihen setzte. Mit dem  Vertrauen des Trainers im Rücken avancierte Cook zu einem der jungen Stars des Teams und bildete mit seinen talentierten Mitspielern Alex Mowatt, Charlie Taylor und Sam Byram einen aufstrebenden Talent-Block in der ersten Mannschaft. Nachdem diese Spieler bereits in ihrer Debut-Saison 2014/2015 das Interesse größerer Premier League Clubs weckten, setzte sich Trainer Redfearn auch gegenüber den Klubbesitzern Leeds für einen Verbleib der Talente ein, um Leeds zukünftig nicht nur attraktiv als Anlaufsstation für eigene und internationale Talente zu machen, sondern langfristig wieder in die höchste englische Spielklasse zu führen. In eben dieser Saison kam Cook hinter Alex Mowatt auch als zweiter bei den Wahlen zu Leeds Spieler des Jahres und Fanliebling ins Ziel.

In der darauffolgenden Saison gelang Cook erst recht der Durchbruch: Starke Leistungen sorgten noch im Januar 2016 für ein Dementi des Trainer Steve Evans hinsichtlich eines möglichen Verkaufes Cooks. Doch nachdem er zum besten jungen Spieler der zweiten Liga Englands, der Championship gewählt wurde und Leeds durch vermehrte Trainerwechsel ins Chaos driftete, konnte der Verein den jungen Chef im Mittelfeld nicht mehr halten. Cook entschied sich für einen Wechsel zum AFC Bournemouth, der unter Jungtrainer Eddie Howe auch vermehrt auf junge Talente setzt. Nachdem ihn eine Verletzung zurückwarf, ist seine Entwicklung in Bournemouth jedoch heuer ins Stocken geraten, was nicht zuletzt auch an den starken Leistungen der Arsenal-Leihgabe Jack Wilshere liegt.

Sein Talent ist auch den überregionalen Auswahlteams Englands nicht verborgen geblieben und so avancierte Cook ebenso schnell zum Jugendnationalspieler. Obgleich er alle Jugendauswahlen des Heimatlandes unseres so geliebten Fußballs durchlaufen hatte, konnte er seine größten Erfolge mit der U17 des Landes feiern, mit denen er Europameister wurde und in drei von fünf Spielen in der Startelf stand. Auch hier war Cook, dem abseits und auf dem Platz eine ungemeine Siegermentalität und Fleiß bescheinigt wird, in der Lage, dem Spiel der Mannschaft seinen Stempel aufzudrücken. Was seine Spielweise auszeichnet, verraten wir euch im Folgenden.

Mehr als nur ein Krieger: Lewis Cook im Spiel

Einen Spitznamen, der in England aufgrund der Spielweise des jungen Mannes nahe zu liegen scheint, ist „The Warrior“. Kriegerisch gibt sich Cook vor allem durch seinen großen Siegeswillen, seine Stärke im defensiven Zweikampf und seine Durchsetzungskraft. In der Bewegung gegen den Ball verhilft Cooks ausgeprägte Laufstärke und sein niedriger Körperschwerpunkt ihm dazu, unnachgiebig dem ballführenden Spieler zuzusetzen und diesen zu Ballverlusten oder Abspielfehlern zu zwingen. Dabei nähert sich Cook oft von hinten, um seinen Gegenspielern mit Tempo den Ball vom Fuß zu jagen. Auch ungestüme Fouls, die dem Gegner signalisieren, „nicht mit mir“ hat der Jungspund in seinem Repertoire – ein echter Krieger eben. Obwohl eine bekannte Fußballsimulation Cook anscheinend eher als offensiven Mittelfeldspieler sieht, verorten wir ihn eher auf der 8, wahrscheinlich sogar als Part einer Doppelsechs. Denn: Cook agiert am stärksten, wenn er nach einer Balleroberung aus der Tiefe des Spielfeldes selbst das Dribbling nach vorne ansetzen und so im Umschaltspiel den Angriff einleiten kann. Ganz im Stile eines Box-to-Box Players überbrückt er dabei das Mittelfeld schnell mit eigenen Vorstößen oder spielt präzise lange Pässe, welche diagonal die Außenspieler oder die zentrale verorteten Mitspieler in der Spitze einsetzen. Eben diese Qualität im Zweikampf und im langen Passspiel macht ihn aus unserer Sicht prädestiniert für einen tiefstehenden Sechser a la Xabi Alonso oder Granit Xhaka, der das Spiel von hinten aus lenkt.

Doch es wäre fatal, Cook auf diese Fähigkeiten zu reduzieren. Er ist trotz seines jungen Alters bereits nah dran, ein kompletter Mittelfeldspieler zu sein. Vorstöße, Passspiel, Zweikampfstärke – allein beim Abschluss kann Cook noch besser agieren. Seine Beweglichkeit sowie eine solide Grundschnelligkeit und Technik verhelfen ihm dabei, leichtfertig Gegenspieler abzuschütteln (auch wenn seine Laufbewegungen aufgrund der weit abgespreizten Armbewegungen eher an „the Ostrich“, engl. „der Strauß“, erinnern). Ihr seht, viele Schwächen fallen unserem kritischen Auge bei Cook nicht auf.

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Der neue englische Anführer?

Eben seine Komplettheit ist der Grund, warum wir ihm nicht nur alleine auf seines fußballerischen Könnens, sondern vor allem auch aufgrund seiner Mentalität und seinen Führungsqualitäten einen ähnlichen Karriereverlauf wie Frank Lampard oder Steven Gerrard zutrauen. Was ihm dazu noch fehlt, ist ein Top-Klub, dessen Spiel er zukünftig prägen kann. Doch in England ist dies gar nicht so einfach: Dele Alli, Eric Dier (beide Tottenham), Steven Ward-Prowse (Southampton), Will Hughes (Derby County), Ross Barkley und Tom Davies (FC Everton) – die Liste der jungen Mittelfeldtalente Englands ist lang. Findet Cook, der ohne Zweifel weiter hart daran arbeiten wird, seine Ziele zu erreichen, seinen Platz bei einem größeren Klub, wird er in die internationale Klasse vorstoßen. Dabei ist es gar nicht so unwahrscheinlich, dass diese Klubs Chelsea oder Liverpool, deren Spielweise Cook zu Gute kommen würden, heißen könnten. Cook bringt jedenfalls alle Eigenschaften mit, die irgendwann die Frage Was fälllt euch bei Frank Lampard, Steven Gerrard und Lewis Cook ein? mit Legende beantworten lassen.

 

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