Es ist, als ginge man in ein sündhaft teures Gourmentrestaurant: Man lässt seine Augen über die unten aufgeführte Speisekarte schweifen, auf der erst gar nicht viele Gerichte angeboten werden. Als der Kellner im feinen Zwirn mit den Tellern zum Tisch spaziert, wird einem schnell bewusst, dass man von diesen kleinen Portionen, die eher wie Häppchen anmuten, heute nicht satt wird. Und doch weiß man vom ersten Bissen in die Vorspeise bis zum letzten Löffel des Nachtischs, dass das Essen von ungeahnter Qualität ist. So in etwa verhält es sich für den wissbegierigen Fußballnerd, wenn man sich morgen zum Gaumen-, oder wohl besser Augenschmaus, in das örtliche Spitzenlokal „Allianz-Arena“ begibt. Bewirtet von Sternekoch Carlo A. und chef étoilé Zizou im Kochduell erlebt man auf dem Menü keine unbekannten Rezepte, der Hunger nach neuen Talenten wird nicht gestillt – und doch beinhaltet das heutige 3-Gänge Menü, das Talentkritiker euch passgerecht zum Abendessen serviert, die Creme de la Creme. Von der locker-leichten Vorspeise, über den ausgeklügelten Hauptgang bis zum zugegebenermaßen etwas deftigen Nachtisch kommt ihr heute voll auf eure Kosten. Unser hauseigener Restaurantkritiker hat den Bewertungsbogen gezückt und im Vorfeld fleißig für euch mitgeschrieben.

3-Gänge Menü „Carlo v Zizou“

Vorspeise – „Enzo Zidane“: ein Hauch von Papa an Solari

Bewertung: Als Antipasti wird hier zunächst ein zwar 22-jähriger, dafür jedoch noch etwas roher Linksaußen aus der Weinregion Bordeaux serviert. Der Jahrgang 1995, der in der Variation Castilla auch als „offensives Mittelfeld“ oder selten als „Rechtsaußen“ geführt wird, besticht durch sein sich im Mundraum sehr schnell ausfaltendes Aroma, das explosiv zwischen die Geschmacksknospen schießt. Ist „der Enzo“ erstmal im Mund in Fahrt gekommen, ist es sehr schwer, ihn aromatisch einzudämmen. Dabei versteht es dieses Gericht, die kreative Fantasie der Verkostenden auf hohem Niveau anzuregen – eine Qualität, die sich nicht zuletzt durch seine Verwandtschaft zum kulinarischen Vater „Zinedine Zidane“ erklären lässt. Hier liegt gleichzeitig auch die Krux dieser Kreation: dieser „Enzo“ wird, wenn er denn seinen eigenen Geschmack entwickeln soll, eine gewisse Zeit brauchen, um sich aus dem Schatten des Vaters zu lösen, der Essensliebhabern auf der ganzen Welt jahrzehntelang das Wasser hat im Mund zusammen laufen lassen. Eine Zeit lang wurde der „Enzo“ beispielsweise auch in der bekannten Szenelokalität „France U19“ angeboten; seither ist es jedoch wieder etwas ruhig um diese Spezialität geworden. Aufgrund der heutigen Herstellungsmethoden von Gerichten wie „Enzo“ ist er beidseitig im Geschmack, umspielt gekonnt die sich gegen seine Textur verteidigenden Zähne. Im Geschmack ist er manchmal noch etwas zu verspielt und eigensinning; man könnte hier definitiv noch an der Balance im Zusammenspiel der Aromen arbeiten. Eine besondere Rolle wird wohl auch dem Solari zukommen, der bei der Emanzipation eines typischen „Enzo“ Geschmacks helfen könnte.

Gesamteindruck: 6/10; Gefahr, dass diese Vorspeise zu einem zwar soliden, aber nicht international herausragenden Essen verkommt. Geschmacklich muss dringend ein eigener Weg gefunden werden.

Hauptgericht – „Marco Asensio“: ein echter Galactico hinter Cristiano* und einem Waliser

Bewertung: Der Hauptgang hat es in sich: ein perfekt ausbalancierter, 96er „Asensio“ in der Variation Galactico, der sein Aroma trotz der gängigen Rezensionen der Restaurantkritiker nicht auf den Außen, sondern in der Mitte der Mundhöhle entfaltet. Hierbei ist er aromatisch am rundesten in den Sektoren der vorgerückten Acht bis Zehn. Zwar sind die technische Beschaffenheit dieser ursprünglich mallorquinsichen Spezialität sowie das Umspielen der Geschmacksknospen insbesondere für die spanische Küche sehr, sehr ordentlich, jedoch für diese Speiseklasse nicht extraordinär. Die Geschwindigkeit der Aromaentfaltung ist solide, jedoch auch nicht besonders hervorzuheben. Anders verhält es sich beim Verschieben zwischen den Geschmacksknospen: der „Asensio“ weist ein herausragendes Gefühl an direkter Geschmacksbeeinflussung, indirekter Zugabe zu den Beilagen dieser Variation und intensivem „Punch“ in die geschmackliche Box auf. Dabei fordert er selbst oft die Aufmerksamkeit des Verkostenden auf sich, gibt jedoch in richtigen Abständen immer wieder auch gezielt und passgenau Aromen an die anderen auf dem Teller verarbeiteten Zutaten, vor allem im Zusammenspiel mit dem gereichten Cristinao und dem Waliser, ab – hierbei beschäftigt das Mediumsteak „Asensio“ manchmal gleich mehrere Zähne, welches geschmackliche Räume für die beiden erwähnten Beilagen, die eher über die geschmacklichen Außenquadranten kommen, öffnet.
Zwar hat man insbesondere in der Kochschule Santiago-Bernabeu bereits an der Beidseitigkeit der geschmacklichen Intensivität gearbeitet, doch dieser „Asensio“ wurde verstärkt von der linken Seite gebraten und wirkt von rechts eher limitiert.

Gesamteindruck: 9/10; ein Gericht, das stark im Kommen ist und das Kochen in Madrid nachhaltig beeinflussen könnte.

*Allergene: CR7 (kann besonders für Menschen mit Messi’scher Unverträglichkeit zur Reizungen der Atemwege führen)

Nachspeise – „Renato Sanches“: deftiger português an Xabi, mit Thiago veredelt

Bewertung: Eigentlich ist man es gewohnt, zum Nachtisch etwas Süßes kredenzt zu bekommen. Anders in der „Allianz-Arena“: Mit dem „Renato Sanches“ serviert Sternekoch Ancelotti hier einen deftigen português, der das Kauen unglaublich anstrengend gestaltet. Dabei wirkt er von der Konsistenz für diese portugiesische Spezialität sehr robust und bissfest. Für die attackierenden Zähne wirkt der „Sanches“ schon sehr sperrig und manövriert diese im Kampf um die Hoheit in der Mundhöhle schnell ins Aus – im wahrsten Sinne des Wortes kann man sich hieran gut und gerne „die Zähne ausbeißen“. Die Beschaffenheit dieser Kreation wirkt dabei austrainiert; geschmacklich kommt der „Sanches“ vor allem über seine stark ausgeprägte geschmackliche Dynamik, die sich im offensiven Geschmackserlebnis zwar den Zähnen entzieht, sich dafür jedoch selbst direkt mit Anlauf zwischen die Geschmacksknospen schiebt. Das Gericht lebt von seiner Qualität „aus der zweiten Reihe“; nach langem Kauen schafft es immer mal wieder ein ordentliches aromatisches Pfund in das Geschmackszentrum. Die Kombination mit dem Xabi ist gewagt; dem allgemeinen Empfingen nach versperrt der edle Xabi hier dem „Sanches“ eher den Weg. Es ist jedoch fest damit zu rechnen, dass Ancelotti aufgrund des fortschreitenden Alters der Xabivorräte spätestens ab der nächsten Saison den Saches noch stärker in den Mittelpunkt seiner Gerichts stellen wird. Das Zusammenspiel mit der Würze des Thiago ist hingegen durchaus zukunftsweisend. Alles in allem muss man bei dieser Spezialität zwar einen langen Atem beweisen, es lohnt sich geschmacklich jedoch auf jeden Fall: Ein derart robustes Gericht, welches in den geschmacklichen Umschaltsituationen in der Gesamtvariation eine so starke aromatische Dynamik entfaltet, wird kaum von der Speisekarte zu verdrängen sein. 

Gesamteindruck: 10/10; findet man in dieser Form nicht auf der Welt. Die Einzigartigkeit dieser ursprünglich portugiesischen Spezialität wird die bayerische Küche beleben und innovativ verändern.

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