Von Box-to-Box-Spielern haben die meisten Fußballfans bereits etwas gehört. Sie sind ständigen zwischen den beiden Strafräumen unterwegs und verbinden die Defensive mit der Offensive. Das klingt nach Arbeit und das ist es auch. In einem Unternehmen würde man diesen Job einem Studenten oder Praktikanten übertragen, wäre er nicht so wichtig. Der VfB Stuttgart hat seinen jungen Arbeiter in dieser Transferperiode schon gefunden. Er heißt Orel Mangala und wechselt aus Anderlecht zu den Schwaben.

Zu viel Konkurrenz

In Anderlecht wurde Mangala fußballerisch ausgebildet und aus Anderlecht wechselt der Belgier jetzt auch zu Stuttgart. Wirklich auf sich aufmerksam gemacht hat er erst in Dortmund. Denn unter dem aktuellen VfB-Coach Hannes Wolf wurde Mangala zur U19 der Dortmunder gelotst und absolvierte sechs Partien unter dem Stuttgarter Aufstiegstrainer. Bereits bei seinem zweiten Einsatz traf er zum ersten Mal und auch im weiteren Verlauf der Saison konnte der 1998 geborene Mittelfeldspieler überzeugen. Trotzdem reichte es weder für einen Bundesliga-Einsatz noch für einen Transfer zum BVB, denn die Borussen ließen die Kaufoption über zwei Millionen Euro verstreichen. Warum er nicht verpflichtet wurde, darüber sind sich die Medien nicht einig. In Deutschland wird größtenteils davon gesprochen, dass Dortmund den Belgier nicht mehr wollte. Die Belgische Zeitung La Dernière Heure berichtet, dass Mangala sich bewusst gegen den BVB und für die Schwaben entschieden hätte. In beiden Fällen jedoch wäre der Beweggrund wohl der Gleiche. Orel Mangala hatte einfach keine Perspektive mehr im Ruhrpott, da die Konkurrenz im Zentralen Mittelfeld zu groß war und die Dortmunder Verantwortlichen mit Dzenis Burnic bereits einen anderen Spieler aus der U19 auf die erste Mannschaft vorbereiteten.

Robuster Schlüsselspieler

Auch wenn er nach einem Jahr bei Borussia Dortmund den Verein wieder verlassen musste, zählte er in der U19 zum Schlüsselspieler und holte mit der Deutschen A-Jugend-Meisterschaften gleich einen Titel. Der Stuttgarter Sportdirektor Jan Schindelmeiser bezeichnete Mangalas Leistungen in der U19-Bundesliga sogar als „herausragend“. Der junge Belgier ist ein richtiger Arbeiter und auf dem ganzen Feld zu finden. Er kann defensiv wie auch offensiv agieren und ist auf dem ganzen Spielfeld immer anspielbar. Das liegt auch an seinem guten Spielverständnis. Mangala hat einen guten Blick für freie Räume, sowohl als Passgeber als auch im Spiel ohne Ball. Das spricht für seine Qualitäten als Spielmacher und Gefahrenherd. Das unterstreichen vier Tore und fünf Vorlagen in der abgelaufenen U19-Bundesliga-Saison.
Bemerkenswert für einen Spieler in seinem Alter ist auch seine ausgeprägte Physis. Während viele Spieler nach dem Sprung zu den Profis Probleme mit dem robusteren Spiel haben, ist Mangalas Körper schon auf deutlich höherem Niveau. Das drückt sich auch in seiner Laufstärke aus und hilft ihm bei seinen vielen langen Läufen von Strafraum zu Strafraum. Oft nimmt er den Begriff Box-to-Box-Player wörtlich und trägt den Ball von einem Sechzehner zum anderen.
Wichtig dafür ist auch seine Ballkontrolle und seine technischen Fertigkeiten, die man vor allem bei Belgiens U17 oft bewundern durfte, mit der er 2015 Dritter bei den Weltmeisterschaften wurde. Insgesamt ist der Arbeiter also bereits ein sehr kompletter Mittelfeldspieler à la Sami Khedira. Doch das Talent hat natürlich auch noch einige Schwächen.

Wild und Gefährlich

Würde Mangala nicht auch noch einiges an Luft nach oben besitzen, wäre er schon längst in der Bundesliga aufgelaufen. Denn der klassische Achter besitzt zwar alle Anlagen ein großer Fußballspieler zu werden, doch schwanken seine Leistungen mitunter sehr stark. Und das nicht nur von Spiel zu Spiel, sondern auch während des Spiels. Klar ist das für einen so jungen Spieler nichts allzu Ungewöhnliches, allerdings sind Mangalas Unkonzentriertheiten vor allem im Spielaufbau sehr gefährlich. Im Halbfinale der diesjährigen U19-Meisterschaft leitete er unbedrängt durch einen fatalen Fehlpass das 1:0 des VfL Wolfsburg ein. Auch beim zweiten Gegentreffer war er nicht auf der Höhe und stand zu weit entfernt von seinem Gegenspieler. Sein ansonsten guter Spielaufbau kann so auch immer wieder zur Gefahr für das eigene Tor werden.
Seine zweite größere Schwäche wurde ebenfalls im Halbfinale gegen die Wolfsburger deutlich. Dieses Mal aber im Rückspiel. Dort holte er sich eine Gelb-Rote Karte ab und fehlte damit im Finale gegen den Nachwuchs des FC Bayern München. Oft ist Mangala noch zu wild und ungestüm in den Zweikämpfen und hatte während der Saison bereits Glück, dass er neben seinen sechs Gelben Karten nicht noch einen weiteren Platzverweis bekam.

Das Potential ist groß, die Konkurrenz auch

Nun liegt es an Hannes Wolf den jungen Mangala zu mehr Konstanz zu verhelfen, denn seine schwankenden Leistungen waren bisher der Hauptgrund für die fehlende Bundesligatauglichkeit. Seine Anlagen sind jedoch hervorragend und gepaart mit seinem großen Potential ist es durchaus möglich, dass er sich schnell stabilisiert. Das muss Orel Mangala aber auch wenn er spielen will, denn auch in Stuttgart erwartet ihn ein harter Konkurrenzkampf mit Gentner, Ofori, Grgic, Özcan und Zimmermann. Aber Mangala scheut harte Arbeit weder auf noch neben dem Spielfeld, also sollte er durchaus zu eine paar Einsätzen kommen, vorausgesetzt er ist nicht gleich wieder gesperrt.

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