ʿUmar ibn al-Chattāb trägt den Beinamen al-Fārūq, was übersetzt sinngemäß heißen soll, dass er stets die Warheit von der Lüge unterscheiden kann, also immer den richtigen Weg für sich selbst finden kann. ʿUmar ibn al-Chattāb al-Fārūq war übrigens zweiter Kalif des Islam, vor etwa 1400 Jahren, und ist Namensvater des heutzutage stark verbreiteten Vornamen “Omar“. Womit wir beim Thema wären: Omar Marmoush, der als Jahrgang 1999 einige Lenzen zarter ist als sein Namensvetter, wird bald zu einem Punkt in seinem Leben kommen, an dem er auch Wahrheit von Lüge unterscheiden muss, um den richtigen Weg zu finden. Der 18-Jährige mischt bei Wadi Degla in Ägypten derzeit recht gut mit im Fußballgeschäft, was dazu führt, dass erste Begehrlichkeiten geweckt werden – für einen jungen Mann in Ägypten keine leichte Ausgangsposition. Doch einerseits wäre da ja der Geist vonʿUmar, anderseits gibt es Mido und El Hadary. Was die damit zu tun haben? Erklärt Talentkritiker.

Aus der ,,Siegergemeinschaft“

Die Informationslage aus Kairo ist gelinde gesagt spärlich, was die Recherche bezüglich Omar Marmoush, der zum in dieser Saison jüngsten eingesetzten Spieler der ersten Liga in Ägypten wurde, betrifft. Warum man sich trotzdem dafür entscheidet, den Offensivspieler für eine Talentkritik auszuwählen? Gedankt sei an dieser Stelle Herrn Mohamed Eldeeb, der über seinen YouTube-Kanal durchaus brauchbares Videomaterial zu Omar Marmoush zur Verfügung stellt. Das fast achtminütige Video war letzten Endes dann auch der Faktor, der zur Entscheidung pro Marmoush führte, denn der Spieler überzeugte fußballerisch.
Omar Marmoush wurde am 07.02.1999 in Kairo geboren, wann und wo er mit dem Fußballspielen begann, ist nach Europa noch nicht durchgedrungen. Sicher ist aber, dass Omar die American International School in Egypt besucht, wo er später in den Varsity Soccer Teams trainieren sollte. Sein Weg führte bald zu Wadi Degla, 2002 gegründeter Verein in Kairo, welcher sich aber mit einer großen und leidenschaftlichen Fangemeinschaft schmücken darf und sich selbst den Beinamen ,,Community of Champions“ gibt. Trainer von Wadi Degla ist derzeit Mido, seines Namens teuerster ägyptischer Spieler aller Zeiten (Ajax, Marseille, Roma, Tottenham…), Torhüter die unumstrittene Legende Essam El Hadary (Didier Drogba: ,,bester persönlicher Gegenspieler überhaupt“). Marmoush, der als eigentlich junger A-Jugend-Spieler im Kader der U23 von den ,,Hirschen“ steht, lief für die erste Mannschaft bereits sechs Mal auf, kommt summiert aber nur auf 149 Minuten Spielzeit. Trotzdem schaffte er es bereits, auch für die Profis einzunetzen.

Dünenboarder

Wie es sich für einen 18-Jährigen gehört, ist Omar Marmoush natürlich auch auf Facebook vertreten. Hier springen einem Bilder ins Auge, die Marmoush in ungewöhnlichem Setting zeigen: Der Offensivspieler rauscht auf einem Snowboard Sanddünen hinunter, was man einerseits aus dem Gesichtspunkt des durch Schneemangel angetriebenen Einfallsreichtum der ägyptischen Wintersportler betrachten kann, andererseits aber auch als Anhaltspunkt für Marmoush Eigenschaften als Fußballspieler sehen könnte. Und egal, wie abwegig die Herleitung sein mag – dass Marmoush auf dem Platz über eine ausgezeichnete Ganzkörperkoordination und sehr effiziente Bewegungsabläufe verfügt, lässt sich schwerlich bestreiten. Seine Ballan- und Mitnahme, seine Laufstil und letzten Endes auch sein Lauftempo sind Zeugnis einer hohen Rumpfstabilität (welche unbestrittenerweise beim Snowboarden arg vonnöten ist), die ihm nicht nur Standfestigkeit und Schutz der Kniegelenke gewährt, sondern es ihm darüber hinaus ermöglicht, sich mit Ball ohne Gleichgewichtsprobleme zu drehen und kraftvoll anzutreten. Sein Antritt und seine Schnelligkeit, mehr noch: seine gesamte physische Konstitution sind ihm sicherlich ein enormer Vorteil auf dem Platz, wenn nicht sogar sein größter. Damit er diesen Vorteil ausspielen kann, braucht es sinnvollerweise eine widerstandsfähige Technik, die Marmoush zweifelsfrei ebenso mitbringt – am Ball ist er so gut, wie es für einen jungen Spieler nötig ist, um als Offensivtalent gelten zu dürfen. Auch bei ruhenden Bällen zeigt sich diese, aber ebenso hier rücken Marmoushs physische Vorzüge in den Fokus: Sein Körperschwerpunkt, die Schnellkraft seines Spielbeins durch den Rumpf sind Basis für eine kraftvolle, präzise Schusstechnik, welche ihn zu einem Standardspezialisten macht.
Den wohl größten Verbesserungsbedarf hat Marmoush – und wie sollte es bei einem jungen Kicker in einer Liga in der Peripherie des Profitums sein – in puncto taktischer Interpretation. Bei Spielen der ersten Mannschaft scheint er manchmal, als würde er mit dem Tempo nicht ganz mitkommen, fällt also zum Beispiel in einer Umschaltsituation ein wenig aus dem Geschwindigkeitsraster. Auch seine Laufwege in der Offensive scheinen bisweilen nicht mit der exakten Spielrichtung der Mannschaft zu harmonieren.

Über Lier zu Arsenal?

Wie eingangs erwähnt, wird für Omar Khaled Marmoush schon bald eine Zeit kommen, in der er sich in Wadi Deglas erstem Team etabliert und Angebote europäischer Mannschaften konkret werden. Ob Marmoushs  Beratungsagentur NeoFut Sport Management ihm eine große Hilfe beim nächsten Schritt sein wird, sei dahingestellt. Durchaus hilfreich werden könnte aber Mido, der seinerzeit den Weg über KAA Gent nach Europa fand. Wadi Degla ist übrigens Partnerverein von Lierse SK – auch so ein belgischer Verein – und dem FC Arsenal, wo man ja dafür bekannt ist, jungen Spieler per Probetrainings oder -verträgen gerne mal eine Chance zu geben. Omar Marmoush – der nächste Mido? Es wäre auf jeden Fall eine schöne Geschichte, wenn der 18-Jährige in absehbarer Zeit über Lier nach Europa kommen sollte und sich in Belgien etabliert, um dann in London zu landen – wer weiß? Die richtigen Entscheidungen zu treffen, ist ihm ja wohl in die Wiege gelegt worden.

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