Heute wird bei uns mal Tacheles geredet, ganz im Sinne der Spielweise der ManU-Legende Paul Scholes – keine langen Ausflüge in das Reich umwobener Hintergrundgeschichten, sondern harte Analyse ohne viele Schnörkel. Auf der Agenda: drei junge, bisher noch verborgene Talente, die euch sicher noch nicht ins Auge gestochen sind. Klar, die ganze Welt redet von Marcus Rashford, der erst kürzlich per Hackentrick Nicolas Otamendi sprichwörtlich laut diversen Internetportalen bereits „vorzeitig in den Ruhestand“ befördert hat. Auch Timothy Fosu-Mensah, der von einigen deutschen Schreiberlingen mit Borussia Mönchengladbach in Verbindung gebracht wird, ist bereits den Scouts unter euch ein Begriff. Linksverteidiger Cameron Borthwick-Jackson haben sicher manche von euch bei FIFA auch schon über die Wert 80 Marke geprügelt. Aber wie schaut es beispielsweise mit Aidan Barlow oder Nishan Burkart aus? Die U23 und U18 Manchester Uniteds stecken voller hoffnungsvoller Talente, die nicht zuletzt mit dem wiedergewonnenen Anspruch des Klubs einhergehen, langfristig die besten jungen Spieler in den eigenen Reihen wissen zu wollen, einhergeht. Wir stellen euch im folgenden drei Jungs vor, die in den nächsten Jahren in Manchester unter José Mourinho oder anderswo den Durchbruch schaffen können.

1. Angel Gomes – ZM, Jahrgang 2000

Ja, Angel Gomes ist der Cousin von Ex-ManU Außenspieler und Europameister Nani und ja, er ist Sohn des portugiesischen Ex-Fußballers Gil Gomes. Im Endeffekt sind das aber auch nur Nebenschauplätze und diese demnach völlig egal. In erster Linie ist Gomes nämlich er selbst und das macht er ziemlich gut. Im zentralen Mittelfeld zuhause, fällt die Spielweise Gomes‘ vor allem dadurch auf, dass er nicht nur unheimlich ballsicher ist , sondern auch in höchster Bedrängnis die Bälle zielgenau beim Mitspieler anzubringen weiß. Diese Tatsache und die hohe Abgeklärtheit in seinem Spiel haben ihm nicht zuletzt den Spitznamen „The Wizard“ eingebracht: wie von Geisterhand zieht Gomes mit 16 Jahren geschickt die Fäden in der Zentrale von ManUs U18. Ein Umstand, der U23 Trainer Nicky Butt Gomes‘ ein „massive potential“ bescheinigen lässt.

Herausragend ist dabei, mit welcher Präzision er lange Diagonalbälle auf die Außenbahnen spielt, mit denen er – um im Modejargon zu bleiben – viele Gegenspieler „packt“, also aus dem Spiel nimmt. Durch diese Tatsache begünstigt liegt Gomes‘ Qualität vor allem in der Spieleröffnung und der Spielübersicht sowie dem schnellen Umschalten in Angriffssituationen. Dies geschieht bei ihm nicht etwa wie bei Gladbach Talent Mo Dahoud durch die eigene schnelle Überbrückung des Mittelfeldes durch Dribblings und dynamische Vorwärtsbewegungen sondern primär eben durch sein ausgeprägtes Langpassspiel. Auch im Kurzpassspiel weiß Gomes zu überzeugen und wird somit zu einem wichtigen Anspielpunkt in Manchester United U18. Er wird generell eher als lenkender Spielmacher auf der Zehn gesehen denn als Achter, wir sehen ihn jedoch aufgrund der zuvor beschriebenen Skills auf beiden Positionen mit enormen Potenzial.

Gomes hat auch mental bereits bewiesen, dass er ein ganz Großer werden kann. Durch seine Ruhe und Überlegenheit am Ball hat es ihn nie großartig aus dem Konzept gebracht, kontinuierlich über seiner eigenen Altersklasse zu spielen und mit älteren Gegenspielern zu messen. Im Gegenteil: Gomes wusste stets durch herausragende Leistungen zu überzeugen. Dies führt mich zum zweiten wichtigen Punkt: Gomes agiert sehr uneigensinnig und im Geiste des Teams. Während er aufgrund seiner hohe Qualität im eigenen Dribbling und Abschluss (ja, er hat auch eine beachtliche Scoring-Bilanz aufzuweisen) durchaus in der Lage wäre, sich selbst als zentrale Figur in den Mittelpunkt zu stellen, wählt er meist den entscheidenden Pass als Mittel, um andere Mitspieler in noch aussichtsreicheren Position einzusetzen. Diese Reife in schwierigen Momenten die richtige Entscheidung zu treffen, ist ohne Zweifel eine seiner großen Stärken.

Mit seinem Partner DJ Buffonge, dem wir an anderer Stelle noch eine eigene Talentkritik widmen werden, bildet Angel Gomes wohl eines der aussichtsreichsten Duos in Manchesters jüngerer Vergangenheit. Arbeiten beide weiterhin an ihren leichten Schwächen im Zweikampfverhalten, werden wir sie auf der großen Bühne sehen. Wie ihr seht: auch nach intensiver Beobachtung lassen sich in ihrem Alter kaum nennenswerte Defizite ausmachen.

2. Tahith Chong – LM/RM/OM, Jahrgang 1999

Ich könnte jetzt aufgrund seiner Frisur ausschweifende Vergleiche mit Venezuelas Fußballikone Carlos Valderrama oder Marouane Fellaini herleiten, verzichte aber doch lieber darauf. Schließlich ist Chong auch ein ganz anderer Spielertyp. Auf der linken Außenbahn beheimatet erinnert das niederländische Talent nicht nur aufgrund seiner langgewachsenen Beine an Jonathan Pitroipa. Auch in seiner Spielweise lassen sich Ähnlichkeiten erkennen: stark am Ball und in Dribblingsituationen nutzt es Chong, der mit 16 Jahren von Feyenoord zu ManU wechselte, vor allem, außen am Gegenspieler in Richtung Grundlinie durchzuziehen, um im letzten Moment eine Flanke oder einen Rückpass in den Raum bzw. die Box zu spielen. Die Sichtung vieler Scoutingvideos belegt, dass dies so etwas wie sein signature move ist, wie ihn beispielsweise auch Arjen Robben geprägt hat. Durchaus selten sucht Chong selbst den Torabschluss, glänzt eher als Vorbereiter denn als Vollstrecker. Geschickte Körpertäuschungen und seine technischen Qualitäten verschaffen ihm Vorteile im 1-gegen-1, die ihm mit seinem dynamischen Antritt in seiner Altersklasse eben genau jene Vertikalität im Zug zur Grundlinie ausspielen lassen.

Verbessern kann sich Chong vor allem noch im horizontalen und diagonalen Dribbling und im Zusammenspiel mit den Außenverteidigern: meist ist er derjenige, der die linke Seite durch seine Aktionen fast schon blockiert und somit seine eigenen Aktionen, aber auch die seiner Mitspieler berechenbar macht. Gelingt es ihm verstärkt, andere Laufwege in sein Repertoire aufzunehmen, kann er durchaus auch zu einem Kombinationsspieler auf der Außenbahn werden, wie ihn Fabian Johnson oder Vincenzo Grifo in der Offensive verkörpern. Chong mag es vor allem, im linken Mittelfeld aus der Tiefe kommend zunächst einige Gegenspieler auszudribbeln, nach innen zu ziehen und dann Mitspieler mit kurzen Pässen einzusetzen. Hierbei agiert er derweilen nicht nur etwas überhastet, sondern bleibt manchmal auch in entscheidenden Situationen am Gegenspieler hängen, was wiederum schnelle Kontersituationen begünstigt. Eine seiner Stärken ist durch seine Stärke im Dribbling und seine Physis jedoch Fouls auf sich zu ziehen.

Das große Manko Chongs liegt nicht nur in der teilweise fehlenden Abstimmung mit seinem etwas nach hinten versetzen Partner (was nicht zuletzt natürlich auch eine Sache des Trainings ist), sondern auch in seinem Defensivverhalten. Möchte er sich auf Dauer als moderner Außenbahnspieler in einer Mannschaft festspielen, ist ihm dringend dazu geraten, sich verstärkt mit Verbundsleistungen und Verschiebungen im Spiel gegen den Ball zu arbeiten. Andernfalls kann er natürlich aufgrund seiner Eigenschaften im Dribbling immer eine Bereicherung für eine Mannschaft sein – seine fehlende Aggressivität gegen den Ball muss der Trainer dann jedoch einkalkulieren.

3. Demetri Mitchell – LV/LM/LA, Jahrgang 1997

Nicht oft sieht man es, dass ein Außenverteidiger bester Torschütze eines Teams ist: anders im Fall Demetri Mitchell. Mit derzeit 5 Toren in 18 Spielen ist Mitchell, der die gesamte linke Außenbahn bekleiden kann, torgefährlichster Spieler der zugegebenermaßen etwas behäbigen Offensive in ManUs U23. Wie diese Bilanz vermuten lässt, sind seine Stärken eher im offensiven Bereich einzuordnen, die der beidfüßige Außenbahnspieler durch seine gute Schusstechnik und intelligenten Laufwege in der Vorwärtsbewegung einzubringen weiß. Mitchell hat durchaus das Auge für spektakuläre Abschlüsse. Hier ist er beispielsweise mit Tottenhams Rechtsverteidiger Kyle Walker zu vergleichen, der sich umtriebig auf der rechten Seite immer wieder ins Kombinationsspiel nach vorne einschaltet und selbst den Abschluss sucht. Mitchells Flankenspiel ist scharf und präzise, sein Kurzpassspiel und das Auge für den Mitspieler gut geschult.

Mitchell, seines Zeichens U21 Premier League Sieger, wird, wenn er denn offensiver aufgestellt wird bereits mit Ryan Giggs verglichen. Jawohl, DER Legendes des Klubs schlechthin. Während ich kein Fan einer solchen übertriebenen Erwartungshaltung bin, bringt Mitchell durch seine Schnelligkeit, seine technische Beschlagenheit und eben seinen Zug zum Tor Attribute mit, die sich durchaus mit denen eines jungen Ryan Giggs decken. Während seine Offensivaktionen uns Kritiker mit der Zunge schnalzen lassen, agiert er in der Defensive zwar hartnäckig im Spiel gegen den Ball, weist jedoch ab und an Fehler im Stellungsspiel auf. Insgesamt sehen wir ihn nicht nur deshalb auf Dauer eher im System etwas weiter vorne oder in Kombination mit einem defensivstarken Linksaußen, der ihn zusätzlich bei eigenen Offensivaktionen absichert.

 

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