Der Frisur nach müsste er der Bruder von Chelsea-Verteidiger David Luiz sein, dann hört man seinen Vornamen und bringt ihn eher mit Italien in Verbindung, was bei der ähnlichen Spielweise wie Andrea Pirlo nicht so abwegig scheint. Beim Nachnamen wird es dann schon schwieriger – dieser kommt aus Marokko. Dann schaut man noch auf sein Geburtsdatum und es bleibt ein Staunen. Schließlich wurde Matteo Guendouzi erst vor wenigen Wochen 18 Jahre alt und spielt schon wie ein Routinier.

Der Wurf ins kalte Wasser, am Atlantik

In Poissy, nordwestlich von Paris wurde Guendouzi am 14. April 1999 geboren. In die Jugend des FC Lorient zog es ihn im Sommer 2014. Seine Mutter stammt aus Paris, sein Vater ist Marokkaner. Noch kann der 18-Jährige sich für beide Nationalteams entscheiden, denn die werden beide bei dieser Entwicklung stark um ihn kämpfen.

Im Herbst vergangenen Jahres unterschrieb er als jüngster Spieler in der Geschichte des FC Lorient einen Profivertrag. Am 9. Spieltag dieser Saison gab er sein Profidebüt. Die ersten Partien verbrachte er noch bei der zweiten Mannschaft und zeitgleich beim Team der A-Junioren. Am 9. Spieltag dieser Saison gab er sein Profidebüt. Beim Heimspiel gegen den FC Nantes wurde er in der 76. Minute eingewechselt und zeigte sich direkt selbstbewusst in seinem Spiel. Zwar konnte er die 2:1-Niederlage an diesem Tag nicht mehr verhindern, doch bei Trainer Bernard Casoni schien er nachhaltigen Eindruck hinterlassen zu haben. Denn wie sonst sehr unüblich bei jungen Spielern, wurde Guendouzi in den beiden Partien über 90 Minuten eingesetzt. Gegen Bordeaux durfte er in der vierten Partie in Folge über 80 Minuten aufs Feld. Doch neue Impulse durch Ergebnisse konnte er beim Team vom westlichen Zipfel Frankreichs nicht herbeiführen. Bis vergangene Woche blieb Lorient immer auf einem Abstiegsplatz.

Raumgreifende Schritte – und die Entwicklung?!

Nach den vier Spielen im November folgten danach nur noch ein Kurzeinsatz gegen St. Etienne. Kurz vor Weihnachten stand es schon 3:0 für Paris St. Germain als Mattéo Guendouzi für die letzte halbe Stunde eingewechselt wurde. Dabei traf er auf Adrien Rabiot. In Frankreich werden die beiden Spieler nicht nur aufgrund der ähnlichen Frisur, sondern auch durch die selbe Position und den ähnlichen Spielstil miteinander verglichen. Doch Rabiot ist vier Jahre älter und durfte beim Serienmeister der Ligue 1 schon etliche Partien mehr bestreiten. Erst drei Monate später und nach vielen Spielen bei der zweiten Mannschaft Lorients und dem Nachwuchsteam gab es wieder den ersten vollen Einsatz. Über 90 Minuten durfte Guendouzi Anfang März über 90 Minuten ran – auch da war er gerade noch 17 Jahre alt.

Danach feierte im März sein Länderspiel-Debüt gegen die deutsche U-18 Nationalmannschaft und bestritt noch eine weitere Partie drei Tage später. Durch die lange Saison ließ im Frühjahr die Konstanz beim jungen Mattéo nach. Das jedoch ist alles andere als überraschend, mit gerade 18 Jahren schaffen das auch nur wenige.

Auf Dauer wird sich Mattéo Guendouzi im zentralen Mittelfeld als idealer Box-to-Box Spieler etablieren. Mit seinen raumgreifenden Schritten ist er schon jetzt einigen gestandenen Akteuren in der französischen Oberklasse voraus. Die Passsicherheit und das Auge im Aufbauspiel scheinen schon in diesem jungen Alter gehobenes Niveau zu haben. Etwas Torgefahr sollte noch dazu kommen in den kommenden Jahren. Dazu ist einer der Hauptgründe warum er zuletzt weniger Einsatzzeit bekam, dass Trainer Casoni die Fehler vermeiden will die seinem Mittelfeldspieler bisher unterliefen. Denn wie bei den meisten jungen Spielern sind es die vermeidbaren Ballverluste in der Vorwärtsbewegung wenn er sich zu viel zumutet, die dem Team am meisten schaden.

 

Wie sieht die Zukunft aus?

Spätestens bei einem Abstieg der Mannschaft aus der Bretagne würde Guendouzi weg sein, dessen sind sich alle Verantwortlichen bewusst. Denn auch wenn meist die offensiven Spieler wie Kevin Gameiro und Andre-Pierre Gignac bei den „Orangenen“ ihre ersten Schritte machen, spätestens nach dem Transfer von Raphael Guerreiro im Sommer 2016 hat sich Lorient einen Namen bei den Topadressen in Europa gemacht. Nach den letzten Wochen jedoch sieht es so aus, als wäre es sogar möglich das man sich den Verbleib in der Ligue 1 sichern könnte. Dann auch würde Guendouzi wohl noch ein weiteres Jahr dort bleiben. Der Entwicklung des Lockenkopfes jedenfalls würde es nicht schaden, wenn er in diesem jungen Alter die Schritte zum Profi in einem Team machen darf in dem er schon integriert ist. Ein Wechsel ins Ausland käme wohl zu früh, auch weil Mattéo körperlich noch robuster werden muss

Mit Frankreich gewann er 2015 die U-17 Europameisterschaft und galt schon damals als großes Talent im Team unter anderem mit dem jetzigen Leipziger Dayot Upamecano. Im Finale wurde damals die deutsche Mannschaft besiegt, auch wenn Guendouzi damals nicht zum Einsatz kam, mit den älteren Spielern zusammen zu bestreiten war aber eine Erfahrung die ihm und seiner Karriere maßgeblichen Schub verlieh.

Neben den erfahrenen Mittelfeldspielern wie Sylvain Marveaux der lange in der Premier League spielte und Walid Mesloub, algerischer Nationalspieler scheint die Bretagne vorerst der optimale Ort zu sein. Auch wenn es für einen Verein wie Lorient schwer werden dürfte in länger als noch eine weitere Saison zu halten. Der Verein aus der Kleinstadt in der Bretagne ist auf große Ablösen angewiesen, auch wenn man selbst noch nie mehr als 5 Millionen für einen Spieler bezahlte. Möglich scheint sogar eine höhere Ablöse als bei Didier Ndong der ebenfalls im zentralen Mittelfeld spielte und im Sommer für 20 Millionen Euro zum AFC Sunderland wechselte.

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