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Analyse

Marko Pjaca: Juves Zukunft auf der Außenbahn

Heute landen wir mit unserer Talentkritik in der Serie A. Genauer gesagt beim italienischen Rekordmeister Juventus Turin, welche sich im Sommer die Dienste von einem der größten Talente Kroatiens sicherten. Marko Pjacas Werdegang ähnelt stark dem von anderen Helden des kroatischen Fußballs, aber was genau zeichnet den jungen Flügelstürmer genau aus? Talentkritiker schaut sich den Spielertyp Pjaca einmal genauer an.

Karriereplan: Typisch kroatisch

Trotz seinem jungen Alter von gerade einmal 21 Jahren, hat Marko Pjaca bereits eine ausgesprochen abwechslungsreiche und vor allem turbulente Karriere vorzuweisen. Ausgebildet in der Jugend des kroatischen Rekordmeisters Dinamo Zagreb sah alles danach aus, dass Pjaca in die Fußstapfen anderer Fußballlegenden des Landes treten würde. Luka Modric und Mario Mandzukic – die Älteren werden sich auch noch an Davor Suker (Schöne Grüße an Christian Wörns) oder Zvonimir Boban erinnern – sind nur einige Beispiele von Kroatiens besten Fußball-Exporten der letzten Jahre und Jahrzehnte. Obwohl ihr Werdegang in Europa kaum unterschiedlicher hätte sein können, haben alle einen gemeinsamen Ausgangspunkt:  Sie alle streiften einst das Trikot Zagrebs über.

Für Pjaca waren die Hoffnungen auf einen ähnlichen Werdegang bereits hoch, als der damals 14-jährige über Umwegen ausgerechnet beim Stadtrivalen NK Lokomitiva landete. Der Außenstürmer, unzufrieden mit seinen Einsatzminuten in den Jugendmannschaften, wollte durch den Wechsel seiner noch sehr jungen Karriere einen neuen Schub geben und, im Idealfall, so früh wie möglich die Spur in Richtung Profi-Fußball einschlagen. Mit 16 Jahren, also rund zwei Jahre später, setzte er sein Vorhaben erfolgreich um. Er debütierte im Februar 2012 in der Hrvatska Nogomentna Liga (HNL) – Kroatiens Fußballoberhaus – und gehörte bereits in der darauffolgenden Saison zum festen Bestandteil der Mannschaft. Stetig verbesserte Pjaca seine Scorerwerte und trug mit Toren, aber auch durch Assists zum Erfolg Lokomitivas bei. Aber auch im Hause Pjaca wusste man, dass Titel das beste Bewerbungsschreiben sind, um bei europäischen Topvereinen zu landen. Dazu jedoch war der Wechsel zurück zum Rekordmeister der unausweichlich Schritt.

So kam es dann doch, dass Marko Pjaca es den Fußballhelden seines Landes gleichtat und das tiefblaue Trikot Zagrebs überstreifte. Bei Dinamo angekommen, entwickelte sich die Karriere des Ausnahmetalents rasant weiter. Dieses Mal konnte sich Pjaca nicht nur auf der kroatischen Fußballbühne beweisen – er stellte sein Können zudem auch auf dem internationalen Parkett unter Beweis. So glänzte er in seiner Debütsaison in der Europa League beim Spiel gegen Celtic Glasgow, indem er mit einem Dreierpack die Schotten regelrecht schwindelig spielte. Insgesamt erzielte er während seiner Zeit bei Dinamo in 91 Spielen starke 28 Treffer und 13 Torvorlagen, weshalb er folglich auch für A-Nationalmannschaft zu einer unausweichlichen Personalie heranwuchs. Dort bewies Pjaca schließlich auch seinen letzten Kritiker, welches Potenzial in dem Außenstürmer steckt. Bei der EM in Frankreich kam er zu regelmäßigen Einsätzen und durfte gar im letzten Gruppenspiel gegen Spanien von Beginn an ran. Dort leitete Pjaca den Konter zum vorentscheidenden 2:1 ein und hatte damit wesentlichen Anteil am kroatischen Gruppensieg.

Zwar endete die EM für Hrvatska im Viertelfinale gegen den späteren Europameister Por-ichkannsimmernochnichtfassen-tugal, jedoch öffnete das Turnier für Pjaca die Türen zu Europas Topligen. Vereine aus Deutschland, Spanien und Italien buhlten um den Youngstar, welcher sich letztlich für die Alte Dame aus Turin entschied und damit von einem Rekordmeister zum anderen wechselte.

Stolze 23 Millionen legte Juventus für den Kroaten auf den Tisch, aber welchen Spielertyp durften die Turiner erwarten?

Auf dem Weg zum Offensiv-Allrounder

Obwohl Marko Pjaca auf der linken Außenbahn zu Hause ist, sollte man ihn nicht leichtfertig in die Kategorie des klassischen Flügelflitzers einordnen. Zwar verfügt er neben seinem explosiven Antritt, auch über unglaubliche Fähigkeiten im Dribbling, allerdings tut man dem gebürtigen Zagreber unrecht, wenn man ihn auf diese Eigenschaften reduziert.

Pjaca zeigt sich in der Offensive sehr flexibel und ist daher gleich auf mehreren Positionen einsatzfähig. Ob auf der linken oder rechten Außenbahn, als Zehner oder gar in der Sturmspitze, Pjacas Fähigkeiten am Ball, gepaart mit seiner körperlichen Robustheit, ermöglichen ihm, sich in verschieden Bereichen auf dem Feld zurecht zu finden. In der Regel kommt der Youngstar jedoch über die linke Seite, um in der Nähe des Sechszehners, in feinster Robbenmanier, mit pfeilschnellen Übersteigern nach innen zu ziehen und mit seinem starken rechten Fuß den Torabschluss zu suchen. Seinen Zug zum Tor zeigte er bereits in seiner Zeit in Zagreb und scheint diesen langsam auch in Turin immer mehr unter Beweis zu stellen.

Möchte man bei dem Youngstar eine Schwäche suchen, so ist diese wohl am ehesten in seinem Kopfballspiel zu finden. Trotz seiner Größe, fehlt es Pjaca sowohl an Sprungkraft, als auch am nötigen Timing in Luftduellen. Zudem sucht er noch zu selten den Weg ohne Ball in den Strafraum, was letztlich wohl einer der größten Unterschiede zu seinem Landsmann Mandzukic bei Juventus darstellt, der ja zurzeit die linke Außenbahn in Turin sein Eigen nennen darf. Eine weitere der ganz großen Stärken des Kroaten ist die Physis. Mit einer Körpergröße von 1,86 Meter ist Pjaca deutlich größer als der klassische Flügelspieler von heute. Seine Größe verschafft ihm dabei einen Vorteil gegenüber den meisten Außenverteidigern. Diesen weiß er auch geschickt einzusetzen, wenn es darum geht Bälle im offensiven Drittel festzumachen, um Mitspieler im Angriff einzubinden. Obwohl er bei der Alten Dame bislang zumeist nur zu Kurzeinsätzen kam, welche vor allem seine Anfangszeit, in der taktisch geprägten Serie A, extrem erschwerten, lässt sich Pjaca nicht unterkriegen.

Nach einer Entzündung im Wadenbeinköpfchen, welche ihn mehrere Wochen außer Gefecht setzte, erarbeitete sich das kroatische Ausnahmetalent Stück für Stück mehr Einsatzminuten. Vor allem in den letzten Wochen konnte er dabei sein Spiel immer mehr zu Entfaltung bringen. Der vorläufige Höhepunkt seiner noch kurzen Ära in Italien war das Champions-League Achtelfinalhinspiel in Porto, bei dem Pjaca als Joker das wichtige 1:0 und damit seinen ersten Treffer im schwarz-weißen Dress erzielte. Zeigt er sich weiterhin so geduldig wie zuletzt, steht dem jungen Kroaten eine rosige Zukunft bevor. Denn er verkörpert den Spielertyp, nachdem man sich bei Juve schon längere Zeit sehnt.

Alte Dame sucht jungen Kroaten

Dass gerade Turin für Pjaca der richtige Ort zu sein scheint, liegt vor allem auch an Juve-Coach Massimiliano Allegri. Während seiner Amtszeit bewies der Italiener insbesondere bei jungen Spielern ein glückliches Händchen. Pogba, Dybala und Rugani stehen dabei sinnbildlich für die Entwicklung junger Talente beim italienischen Serienmeister. Aber gerade auf der offensiven Außenbahn, taten sich die Turiner in den letzten Transferperioden schwer. Zwar konnte man im Sommer Juan Cuadrado langfristig an den Verein binden, aber ansonsten mangelt es an offensiven Kräften auf den Flügeln. Alex Sandro, Dani Alves und Stephan Lichtsteiner zeigen zwar allesamt Zug zum Tor, jedoch fehlen ihnen im Torabschluss die nötigen Qualitäten.

Marko Pjaca scheint daher perfekt in das mannschaftliche Gefüge Juves zu passen. Seine Variabilität kommt ihm in Allegris dynamischen 4-2-3-1 System eindeutig zu Gute, da der Kroate sowohl die Außenbahn, als auch die Position der hängenden Spitze bekleiden kann. Am ehesten jedoch erscheint er zurzeit als Back-up für den links spielenden Mandzukic oder sein Pendant auf der rechten Seite Juan Cuadrado, da dort Pjacas Fähigkeiten im Dribbling am effektivsten zu Geltung kommen.

Juve und Pjaca, scheint nach derzeitigem Stand zu passen wie die Faust aufs Auge. Bleibt das junge Ausnahmetalent weiter diszipliniert und arbeitet an seinen Schwächen im Kopfballspiel, könnte im Norden Italiens ein weiterer kroatischer Weltklassespieler heranwachsen. Einer wie, Modric, Suker und Mandzukic eben.

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