Knallharter Abstiegsk(r)ampf statt Aufstieg in die Bundesliga. Das ist seit einigen Jahren leider die Realität bei den Münchner Löwen. Halbjährlich ein neuer Trainer und dazu am besten zehn neue Spieler sind ebenfalls zur Gewohnheit geworden. Und obwohl sich das Alles nach viel Leid und Elend anhört, so hat der TSV 1860 München doch auch zwei ständige positive Konstanten. Zum einen die nie aufgebenden, stets treuen und wenn sie am meisten gebraucht werden immer ins Stadion ziehenden Löwenfans, die seit Jahren leiden müssen und trotzdem nichts geiler finden, als ein echter Löwe zu sein, ganz nach dem Leitspruch „Einmal Löwe immer Löwe“. Zum anderen die vielen Talente, die jedes Jahr aufs Neue in der zweiten Bundesliga einschlagen und ohne die der Bundesliga gefühlt zwei komplette Mannschaften fehlen würden. Auch diese Saison stachen lange Zeit zwei Youngster heraus, Florian Neuhaus und Felix Uduokhai. Nun, gegen Ende der Saison, gesellt sich ein drittes Talent hinzu, sein Name: Marin Pongračić.

Mit erst 19 Jahren ist er inzwischen Stabilisator der Löwendefensive und versucht alles um Münchens Große Liebe in der zweiten Bundesliga zu halten. Und dass obwohl seine Profikarriere im letzten Sommer bereits vor dem Aus stand. Hier ist seine Geschichte!

Die verschiedenen Sichtweisen der Trainer

Begonnen hat Pongračićs Zeit im NLZ beim FC Bayern, dem großen Rivalen seines aktuellen Vereins. Hier genoss der am 19.09.1997 in Kroatien geborene Innenverteidiger bis 2013 die Ausbildung der Seitenstraßler, ehe er nach der U16 bei den Roten aussortiert wurde und es ihn zu den Schanzern zog. Bei Ingolstadt durchlief er bis Sommer 2016 die U17 und U19. Am Ende der vergangenen Saison durfte er sogar bei Hasenhüttels Profis mittrainieren und man meinte er könne bei Ingolstadt den Sprung in die Bundesliga schaffen. Doch dann kam alles anders als gedacht. Anstatt es zu den Profis zu schaffen wurde er gar zum zweiten Mal in seiner Karriere aussortiert und stand so plötzlich ohne Verein da. An dieser Stelle drohte das Aus seiner Profikarriere.

Doch weil Daniel Bierofka, Trainer der Löwen U21, einen bisher etablierten Innenverteidiger auf die Sechserposition zog, wurde bei den Sechzgern ein Platz in der Abwehrkette frei und so lud man Pongračić zu einem zwei wöchigen Probetraining ein. Hier konnte der Deutschkroate zwar auf dem Platz von sich überzeugen, dennoch hatte Bierofka seine Bedenken. Denn aus der Vergangenheit des Verteidigers hatte er gehört, dass sich dieser abseits des Platzes oft selbst im Weg stand. Nichts desto trotz gab man ihm bei den Löwen die Chance noch einmal anzugreifen und so wurde er mit einem Amateurvertrag bis 2018 ausgestattet und spielte bis Mitte April bei den kleinen Löwen. Dann debütierte er am 16.04.2017 gegen den SV Sandhausen im Team von Trainer Vítor Pereira und konnte sofort überzeugen. Seitdem stand er fünf Spiele in Folge in der Startelf und kämpft nun mit Sechzig um den Klassenerhalt.

Das Tempodribbling: eine provokante Waffe

Was macht Marin Pongračić so stark, dass er es innerhalb von einem Jahr vom aus der Regionalliga Aussortierten zum Zweitligaspieler geschafft hat und mittlerweile sogar Bundesligisten um ihn pokern? Auch wenn er sich laut Daniel Bierofka vor seiner Zeit bei den Münchner Löwen oft selbst im Weg gestanden habe und er in seiner Zeit in München das ein oder andere Mal mit dem Trainer der U21 aneinander gerasselt ist, so bezeichnet er ihn doch als charakterlich einwandfrei. Obwohl er inzwischen bei den Profis zum Einsatz kommt, schaut er, wenn es die Zeit zulässt, bei der zweiten Mannschaft zu und ist sich auch nicht zu schade nach dem Spiel die Trikotkoffer zum Mannschaftsbus zu tragen.

Des Weiteren gilt er als sehr fleißig, nicht nur auf dem Platz. Während des Probetrainings in München pendelte er zwischen Landshut und der Landeshauptstadt, da er dort nebenher jobbte. Er gehört also keinesfalls zur Sorte verwöhnter Profi.

Auf dem Platz ist er ein klassischer Innenverteidiger, kann jedoch auch im defensiven Mittelfeld eingesetzt werden. Mit einer Größe von 1,89m ist er sowohl defensiv als auch offensiv äußerst kopfballstark. Hinzu kommt eine solide technische Ausbildung mit sauberem Passspiel und guter Ball An- und Mitnahme, welche ihm eine präzise Spieleröffnung über die Sechser oder die Flügel ermöglichen. Physisch ist der erst 19-jährige trotz seines jungen Alters äußerst robust und kann somit körperlich auch gegen sehr bullige Stürmer in der zweiten Liga bestehen. Ebenso ist er aber für einen Innenverteidiger auch äußerst schnell, muss also nicht befürchten ständig überlaufen zu werden.

Aus einer soliden Ansammlung an Fähigkeiten, die jeder Verteidiger mitbringen muss, will er sich im Profifußball etablieren, stechen nun zwei Qualitäten des jungen Löwen deutlich heraus. Da ist zum einen seine enorme Zweikampfhärte, die gerade für einen unerfahrenen Spieler äußerst beeindruckend ist. Mit gut getimten Grätschen und Tacklings ist er in der Lage auch sehr dribbelstarke Angreifer zu stoppen. Außerdem ist er durchaus dafür bekannt, seinem Gegner immer wieder „weh“ zu tun und diesem damit das Spiel sehr unangenehm zu machen, muss er doch jederzeit damit rechnen „eine mitzukriegen“.

Ist der Ball erobert oder wird er von seinen Mitspielern angespielt, hat er neben seinem exakten Aufbauspiel eine zweite Waffe parat: sein Tempodribbling. Ist er in Ballbesitz, verfügt über explosive Antritte mit Ball und kann damit bis tief in die gegnerische Hälfte vorstoßen ehe er denn Ball weiterspielt. Mit einfachen Körpertäuschungen aber hohem Tempo kann er so große Raumgewinne erzielen und sowohl die Sturm- als auch Mittelfeldreihe überdribbeln, bevor er den Ball auf seine Angreifer spielt. Zwar ist dieses Mittel natürlich durchaus mit dem Risiko eines Ballverlustes verbunden, jedoch bei Gelingen ein echter Trumpf.

Risiko minimieren

Trotz des Lobes ist es für einen jungen Spieler selbst verständlich, dass es an seiner Spielweise noch einiges zu verbessern gibt. Bei Marin Pongračić gibt es beispielsweise im Bereich der Kommunikation noch Verbesserungsbedarf. Am vergangenen Sonntag bei der Heimniederlage gegen den VfL Bochum führten mangelnde Absprache mit seinen Mitspielern zu Missverständnissen und so wurde es schließlich gefährlich. Vor allem bei langen Bällen des Gegners kam er sich häufig mit seinen Teamkollegen Bülow und Ba in die Quere, anstatt sich abzusetzen und so gegenseitig abzusichern.

Auch seine Stärke, sein explosiver Antritt mit Ball, muss noch besser getimt werden. Setzt er diesen in den falschen Situationen ein, kann ein Ballverlust zu gegnerischen Torchancen führen. Vor allem weil das Abwehrzentrum in diesen Situationen unterbesetzt ist, da er selbst in der Verteidigung fehlt. Hierfür ist jedoch Erfahrung ein sehr wichtiger Aspekt, der bekanntlich nicht von heute auf morgen verändert werden kann. Jedoch kann auch gezieltes Taktiktraining ausschlaggebend sein um die richtigen Situationen für das Dribbling besser zu erkennen.

Tipp: Verlängerung bei den Löwen

Wie geht es nun weiter für den jungen Kroaten? In dieser Hinsicht werfen sich derzeit noch einige Fragen auf. Zum einen, weil Marin Pongračić beim TSV bisher nur einen Amateurvertrag besitzt, der langfristig in der zweiten Liga sicher keinen Sinn macht. Jedoch sind die Münchner bereits um einen Profivertrag und damit eine Verlängerung bemüht, welche in den nächsten Tagen und Wochen möglicherweise schon verkündet werden könnte. Des Weiteren ist auch noch nicht geklärt, in welcher Liga die Löwen nächstes Jahr spielen werden. Momentan hat mit den 16. Tabellenplatz inne, sowohl nach unten, als auch oben ist aber noch etwas möglich. Hinzu kommt, dass der Innenverteidiger aufgrund seiner guten Leistungen auch andere Vereine auf den Plan gerufen hat. Sowohl Aufstiegsaspirant Hannover 96 als auch der VfL Wolfsburg sind an einer Verpflichtugung des 19-jährigen interessiert. Damit hätte Pongračić im Sommer sogar die Möglichkeit den Sprung in die Bundesliga zu schaffen.

Aus neutraler Sicht sollte man dem Abwehrtalent jedoch wünschen seinen Vertrag bei den Löwen zu verlängern. Diese sind wohl daran interessiert Pongračić um ganze fünf Jahre zu binden. Dort hat er die Möglichkeit Spielpraxis zu sammeln und sich in Ruhe weiterzuentwickeln, egal ob in Liga 2 oder 3. Entscheidend sein wird für ihn zunächst einmal über einen längeren Zeitraum konstante Leistungen zu bringen. Danach sollten ihm alle Türen für höhere Aufgaben offenstehen. Dass die Münchner Löwen für junge Talente immer eine gute Lösung sind, haben Beispiele wie die Benders, Volland oder Fabian Johnson längst gezeigt.

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