Nico Elvedi spielt derzeit seine wohl stärkste Saison im Dress der Fohlenelf. Ob als etatmäßiger rechter Außenverteidiger in Gladbachs Viererkette oder als Innenverteidiger neben Jannik Vestergaard – der junge Schweizer überzeugt mit seiner Dynamik auf beiden Positionen. Nun fehlt er gegen den SC Freiburg nach einer zumindest strittigen fünften gelben Karte gesperrt, Tony Jantschke und Fabian Johnson müssen verletzt passen. Wer gibt also in der Not den Part des rechten Verteidigers? Matthias Ginter könnte diese Position spielen, sollte Reece Oxford zu seinem ersten Einsatz in der Startelf kommen und in die Innenverteidigung rücken. Mandela „Manny“ Egbo aus der U23 (kam 2015 aus der U18 von Crystal Palace) kann diese Position ebenfalls bekleiden, ihm fehle laut Hecking aber aufgrund einer Verletzung ebenfalls die Spielpraxis. Es könnte somit ein weiterer Stern am Talentehimmel aufgehen: Eine charmante Option wäre das Profidebüt Justin Hoffmanns. Wir verraten euch in diesem Bericht alles über die Qualitäten des Eigengewächses.

Hoffmanns Werdegang: Von der U9 in den erweiterten Kader

Im zarten Alter von 8 Jahren schloss sich Justin Hoffmanns 2005 Borussia Mönchengladbach an. Zuvor spielte der gebürtige Grefrather beim lokalen SV Grefrath. Vom damaligen U14-Trainer Björn Dickmanns entdeckt, durchlief er seit der U9 alle Jugendmannschaften der Fohlen. In jungen Jahren noch Stürmer, wurde Hoffmanns über das rechte Mittelfeld schließlich zum rechten Verteidiger geschult. Sven Schuchardt, Hoffmanns‘ früherer Trainer in der U16, sagte 2012 über ihn: „Justin ist ein schneller und zweikampfstarker Spieler mit einer ordentlichen Technik.“ Ein direktes Vorbild besitze Hoffmanns nicht, doch er schaue natürlich immer besonders auf die Außenverteidiger, um sich auf diese Weise viele Dinge aneignen zu können.

In der Saisonvorbereitung 2017/18 spielte Hoffmanns die erste Halbzeit beim 5:1 Sieg gegen den VVV Venlo. Erst kürzlich setzte er beim 4:1 im Testspiel über Arminia Bielefeld nach einem agilen Vorstoß Patrick Herrmann stark in Szene, der schließlich Drmic zum 4:0 bediente. Bei der neuerlichen 1:2 Niederlage gegen Ajax Amsterdam stellte der Rechtsfuß zudem seine Vielseitigkeit als linker Außenverteidiger unter Beweis, bekam nach der Partie ausdrückliches Lob on Trainer Dieter Hecking. Dieser sieht Justin Hoffmanns laut jüngster Aussagen auf der Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Schalke 04 nun also durchaus bereit für größere Aufgaben gegen den SC Freiburg.

Hecking gefällt’s: Giftiger Dribbler und Außenverteidiger mit Offensivdrang

GSN Datensatz zu Justin Hoffmanns

Hoffmanns Stärken liegen eindeutig in der Offensive. Dies belegen auch die Statistiken (siehe GSN Datensatz links), welche die Mehrzahl seiner Ballaktionen (58,7%) in der offensiven Bewegung verorten. Mit seiner relativ geringen Körpergröße weist der 1,76m große und agile Hoffmanns einen niedrigen Körperschwerpunkt auf, der ihm eine gute Ballkontrolle und Technik ermöglicht. Ähnlich wie Elvedi besticht er auch durch seine Dynamik in der Vertikalität und Handlungsschnelligkeit im Kombinationsspiel. In dieser Saison weist der junge Außenverteidiger eine Passquote von 76,2% auf, rund 31 von 40 Pässen bringt er im Schnitt pro Partie an den Mann. Hiermit sortiert er sich innerhalb der Bundesliga im soliden Mittelfeld ein, liegt im Niveausektor von Oscar Wendt und sollte sich in das Kombinationsspiel der Gladbacher Profis einfügen können. U23 Trainer Arie van Lent zeigt sich zudem begeistert von Hoffmanns‘ Flankenläufen, bei denen er “seine Schnelligkeit und Unbekümmertheit“ ausspielen könne. Immer wieder sucht der wendige Hoffmanns dabei auf dem Flügel das Spiel in der Vertikalen, hinterläuft seinen Vordermann und zieht nach Möglichkeit Richtung Grundlinie. Dabei setzt er auf geschickt angetäuschte Körperfinten, die ihm weitere Vorteile im Sprint verschaffen.

Der direkte Vergleich zu Nico Elvedi, der sich immer wieder ins Offensivspiel der Gladbacher einschaltet und ebenfalls gerne den rechten Mittelfeldspieler hinterläuft, drängt sich also auf. Hoffmanns präsentiert sich vergleichsweise einen Tick dribbelfreudiger (siehe GSN Vergleichsgrafik rechts unten; klicken zum Vergrößern), fällt aber zu Elvedis starker Passquote von 84% deutlich ab. In der U23 wahrt Hoffmanns jedoch im Gegensatz zu Elvedi und Wendt eine höhere Balance, bestreitet die meisten Defensivaktionen (19,5). Dies kann natürlich auch durch eine unterschiedliche Ausrichtung beider Mannschaften erklärt werden. Setzt man Hoffmanns nun in Beziehung zu Wendt, lassen sich die Unterschiede im Spielertyp deutlich erkennen: der sprintstarke Hoffmanns wagt eher das Dribbling (2.58 zu 0.63), während Wendt deutlich mehr Pässe spielt und somit oft die Sicherheitsvariante wählt (51.47 zu 39.92). Hoffmanns findet sich häufiger in Defensivaktionen wieder (19.5 zu 16.89), führt dort auch etwas häufiger Zweikämpfe (4.67 zu 4.32). Wendt schlägt in der Gegenüberstellung die meisten Flanken vor Hoffmanns und Elvedi – Hoffmanns Bälle führen aber am ehesten zu Torerfolgen. Natürlich relativieren sich all diese Werte aufgrund des unterschiedlichen Niveaus zwischen den jeweiligen Spielklassen; dennoch geben sie deutlich Aufschluss darüber, wie sich der Spielertyp Hoffmanns zu seinen Mitspielern auf den Außenverteidigerpositionen verhält.

Schwächen offenbart Hoffmanns bisweilen noch in der Rückwärtsbewegung, obgleich er sich laut van Lent in diesem Bereich lernwillig und ehrgeizig zeigt. Im direkten defensiven Zweikampf agiert er giftig, zieht jedoch aufgrund seiner Physis noch häufiger den Kürzeren gegen körperlich starke Spieler. Der oben erwähnte Sven Schuchardt sagte allerdings schon damals, dass in Hoffmanns vielleicht noch zu viel Stürmer stecke, er im Defensivverhalten energischer auftreten müsse. Dies ist durchaus etwas, das in einem Fan der Gladbacher einen kurzen Herzsprung auslösen dürfte. Heckings 4-4-2 mit zwei hochgestellten Außenverteidigern wirkt allzu oft anfällig in Umschaltsituationen, da nicht genügend Spieler hinter dem Ball verteidigen. Hier dürfte auch Hoffmanns trotz seiner Schnelligkeit zumindest zeitnah keine Abhilfe versprechen, da dies eher eine systemische Problematik ist.

GSN Vergleichsgrafik der Gladbacher Außenverteidiger

Links blinken und überholen

Natürlich sollte man Justin Hoffmanns nicht mit überaus großen Erwartungen überfrachten. Doch fest steht, dass er den Typ Außenverteidiger verkörpert, den Dieter Hecking bevorzugt: schnell, dynamisch und mit reichlich Potenzial in der Offensivbewegung. Sollten alle Kandidaten fit sein, wird auf der rechten Außenbahn langfristig kaum Platz für das Eigengewächs sein. Elvedi ist hier gesetzt, Tony Jantschke und Fabian Johnson spielen den Part bei Bedarf zwar nicht auffällig, aber solide.

Hoffmanns größte Chance dürfte somit auf der Position des linken Außenverteidigers liegen. Vize-Kapitän Oscar Wendt wird nicht jünger, überzeugt zudem häufig nicht mehr umfänglich. Nach dem Abgang eines Nico Schulz und der erneuten Verletzung Mamadou Doucourés fehlt Wendt zudem ein direkter Konkurrent, der den Kampf um die erste Elf neu entfacht. Es ist also durchaus möglich, dass man keinen externen Spieler für die Position verpflichtet, sondern Hoffmanns die Chance gibt, sich dort zu beweisen. Ergreift er diese Chance, dürfte ihm eine vielversprechende Entwicklung bevorstehen. Dies wäre auch wichtig für die Borussia, die damit ein deutliches Zeichen an den eigenen Nachwuchs senden würde, dass es auch die Fohlen aus dem eigenen Stall noch Chancen auf den Profikader haben.

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