Wenn du nicht weißt wohin mit dem Ball, dann hau ihn einfach ins Tor! – so oder so ähnlich muss der Gedankengang von Josip Brekalo ausgesehen haben, als er am 21. Spieltag der 2. Bundesliga mit einer wahrlichen Traumbude sein erstes Pflichtspieltor im deutschen Profifußball erzielte. Das Ergebnis für den Kroaten: Siegtreffer gegen Heidenheim, Auszeichnung zum „Tor des Monats“ und einen sicheren Platz in jedem Fußball-Jahresrückblick. Wer das junge Ausnahmetalent jedoch ausschließlich auf diesen Treffer reduziert, der vergisst, dass in dem 18-jährigen noch viel mehr steckt als ein klassisches One-Hit-Wonder.

Wieder Dinamo: Der Nächste, bitte!

Im europäischen Spitzenfußball gibt es so einige Konstanten: Real Madrid darf keine Spieler kaufen, die teurer sind als Cristiano Ronaldo; jede 2. Bundesliga-Saison tituliert sich als die beste zweite Liga aller Zeiten; oder ein Champions League-Sieger verteidigt niemals seine Titel (*räusper*) – um nur einige zu nennen. Eine weitere Konstante ist die: wenn man kroatische Ausnahmetalente verpflichten möchte, dann hat man gefälligst beim Rekordmeister Dinamo Zagreb zu suchen. Tottenham tat es mit Luka Modric, genauso wie Juventus jüngst mit Marko Pjaca. Auch der VfL Wolfsburg wilderte im vergangenen Sommer beim kroatischen Hauptstadtklub und verpflichtete für stolze sechs Millionen Euro Josip Brekalo.

Brekalo kann zwar – seinem jungen Alter geschuldet – noch nicht auf zahlreicheEinsätze zurückblicken, jedoch wusste der gebürtige Zagreber bereits früh im Profigeschäft zu überzeugen. Zunächst durchlief Brekalo sämtliche Jugendabteilungen Dinamos. Dabei überzeugte er mit zum Teil überragenden Leistungen in der heimischen Liga und der UEFA Youth League (u.a. auch gegen die Junioren des FC Bayern und des FC Arsenal) und empfahl sich so für die ersten Profi-Einsätze. Im Dezember 2015, also im zarten Alter von 17 Jahren, durfte er dann erstmals auch in der Hrvatska Nogomentna Liga (HNL) – Kroatiens Fußballoberhaus – sein Können unter Beweis stellen. In der Folge festigte der junge Kroate seinen Platz im Kader der ersten Mannschaft und spielte auf seinem geliebten linken Flügel die gegnerischen Verteidiger immer wieder schwindelig. Selbstredend dribbelte er sich so auch zunehmend ins Blickfeld europäischer Top-Vereine.

Letztlich sicherten sich die Wölfe aus der Autostadt die Rechte des Ausnahmetalents und Formulierten forsche neue Ziele bei seiner Vorstellung; frei nach dem Motto: Schöner, attraktiver Fußball wird künftig auch im niedersächsischen Wolfsburg zu sehen sein. Doch zum Leid für Brekalo verlief die Hinrunde des VfL alles andere als Rund. Nach einem katastrophalen Saisonstart musste zunächst Trainer und Bezugsperson Dieter Hecking seinen Hut nehmen, ehe nur einige Wochen später auch Klaus Allofs, der sich besonders für den Transfer Brekalos eingesetzt hatte, ebenfalls entlassen wurde. Die Folgen für den Flügelstürmer? Weniger Einsatzminuten bis hin zu einer kompletten Nicht-Berücksichtigung für den Spieltagskader ab dem 11. Spieltag. Folgerichtig entschieden sich die Offiziellen der Wolfsburger dafür, Brekalo die Spielpraxis zu geben, die ein Spieler in seinem Alter so dringend nötig hat. Nach seiner Ankunft in Stuttgart schien der Kroate endlich wieder den Spaß am Fußball gefunden zu haben und zeigte dabei von Beginn an, warum die zweite Liga auf Dauer eine Nummer zu klein für den 1,80 Meter großen Dribbelkünstler ist.

Manchmal hui, manchmal pfui

Wie bereits durchgedrungen ist, sind die Stärken von Josip Brekalo zweifellos in der Offensive zu finden. Zwar fühlt sich der Rechtsfuß auf der linken Außenbahn am wohlsten, jedoch scheut er sich auch nicht auch mal über die rechte Seite, beziehungsweise durch die Mitte den Zug zum Tor zu suchen. Dabei sind vor allem seine Qualitäten im Dribbling hervorzuheben. In Eins-gegen-Eins Situationen weiß der Kroate durch überraschende Körpertäuschungen und Finten zu überzeugen, ohne dabei auch den freistehenden Mitspieler aus den Augen zu verlieren. Dies zeigt auch seine starke Passquote von mehr als 80 Prozent. Die liebste Waffe Brekalos ist es aber selber den Torabschluss zu suchen. Zwar stellte er dies, wie Eingangs erwähnt, bereits in seinem zweiten Auftritt für die Schwaben eindrucksvoll unter Beweis, jedoch scheint ihm hier noch das Quäntchen Glück  zu fehlen, um dauerhaft für Gefahr im gegnerischen Strafraum zu sorgen. Daher gehen die meisten Abschlussaktionen des Außenspielers eher in die Abteilung „Damenunterwäsche“ statt wie gegen Heidenheim ins obere Kreuzeck.

Und da kommen wir auch direkt zu einer der Schwachstellen des jungen Angreifers. Zwar verfügt er über ein ausgezeichnetes Repertoire an offensiven Skills, jedoch scheint ihm seit seiner Ankunft in Deutschland noch das Durchsetzungsvermögen zu fehlen, auch gegen stärkere Gegenspieler – und vor allem auch Mitspieler – zu bestehen. Dem Kroaten merkt man sowohl in der Vorwärts-, als auch in der Rückwärtsbewegung Defizite im körperlichen Bereich an. Dabei ist gerade eine physische Robustheit in der zweikampfbetonten zweiten Liga enorm wichtig für eine junge Offensivkraft seiner Art. Vor allem in diesem Bereich gilt es für den Ex-Zagreber noch Aufholarbeit zu leisten, um sich langfristig einen festen Platz zu sichern.

In Stuttgarts intensivem Pressing arbeitet er stets bemüht, jedoch reicht dies momentan nicht, um auch von Beginn an eine Option zu sein. Als Einwechselspieler zeigt er dagegen gute Ansätze, wie er mit seinem Tempo etwaige Unkonzentriertheiten des Gegners im Schlussabschnitt einer Partie ausnutzen kann. Doch leider bleiben auch diese Versuche noch zu wenig von Erfolg gekrönt.

Quo vadis, Josip?

Wie die unmittelbare Zukunft Brekalos aussieht ist allerdings ungewiss. Anfangs setzte VfB-Coach Hannes Wolf zwar noch auf die Fähigkeiten des Flügelspielers, nach ausbleibenden Erfolgen in den letzten Wochen und dem unglaublich engen Aufstiegsrennen der 2. Liga, geriet Brekalo jedoch immer weiter in den Hintergrund. Es scheint – zumindest für diese Saison – ein Muster erkennbar, dass in schwierigen, von Formschwankungen begleitenden Phasen, die Trainer dem Kroaten noch nicht die nötige Reife zutrauen, um mit Top-Leistungen für eine Kehrtwende zu sorgen.

Nach derzeitigem Stand der Dinge wird Brekalo im kommenden Sommer wieder zum VfL zurückkehren, um dort unter Andries Jonker erneut anzugreifen. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass der Kroate ein weiteres Jahr im Rot-Weissen Dress auflaufen wird, was nach derzeitigem Stand der Dinge ja ebenfalls in der 1. Bundesliga geschehen würde. Eines darf man dabei aber nicht vergessen: Auch wenn die erste Saison in Deutschland durchwachsen verlief, Josip Brekalo ist mit dann 19 Jahre immer noch einer der Spieler, die das Potenzial haben, für den ganz großen Durchbruch zu sorgen. In jedem Fall gehört er zu denjenigen, die sich mit weiteren Traumbuden mit „Tor des Monats“-Charakter auch im nächsten Jahresrückblick in den Mittelpunkt stellen können.

 

Facebook-Kommentare