Es gab eine Zeit, da hatten heldenhafte Krieger an vorderster Front gestürmt. Diese Angreifer waren die Pfeilspitze einer jeden Truppe. Furchtlos schmissen sie sich in jeden Zweikampf und jede Flanke. Der Hüter des Tores zitterte vor Angst, aufgrund ihrer gewaltigen Schusskraft. Doch dann veränderte sich der Fußball und ein dunkles Zeitalter brach heran. Vereine wurden zu Wirtschaftsunternehmen, Traditionsklubs stürzten vom hohen Thron in der Tabelle und die falsche Neun erschlich sich ihren Platz in vielen Formationen. Jedoch besagt eine Prophezeiung, dass ein Stürmer, geboren in diesem Jahrtausend, den Angriff in Deutschland wieder zurück zu alter Stärke führen wird. Ein Schimmer der Hoffnung, der sich nun in Hamburg aufgetan hat. Jann-Fiete Arp ist sein Name und Tore schießen, seine Berufung.

Eine neue Generation

Es klingt fast unwirklich, aber Jann-Fiete Arp ist am 6.Januar 2000 geboren. 2000! Damit könnte er der Sohn mancher Profis sein. Trotzdem oder gerade deswegen ist der Hamburger Mittelstürmer die große Nachwuchshoffnung auf der Neun. Aufgewachsen in Wahlstedt, nahe Bad Segebergs, wechselte der kleine Fiete im Alter von nur 10 Jahren ans NLZ des Hamburger Sportvereins. Ein früher erster Schritt zur Profikarriere. Danach durchlief er alle Jahrgänge beim HSV bis zur B-Jugend, für die er aktuell die Fußballschuhe schnürt. Zudem ist er seit der U16, regelmäßig Teil des DFB-Aufgebots. Zuletzt in der U17 EM-Qualifikation. Eigentlich gibt es dann auch gar nichts mehr groß zu seinem Karriereweg zu sagen. Ein vorbildlicher, wenn auch etwas langweiliger Verlauf einer Jugendspielerkarriere. Aber in den meisten Geschichten sind ja die Unscheinbaren am Ende die großen Helden oder Auserwählten.

Eine neue Tormaschine

So unspektakulär sein Weg zum Profifußball scheint, seine Leistungsdaten wirken umso spektakulärer. Weit in Führung liegend, steht er in der Torjägerliste der B-Junioren Bundesliga Nord/ Nordost ganz oben. 26 Treffer in 23 Spielen sagen alles. Fast die Hälfte aller Hamburger Tore schoss er damit in dieser Spielzeit. Arp ist ein richtiger Knipser, wie sein Vorbild Harry Kane. Sein Spielstil ähnelt dem seines Idols auch durchaus. Seine Schnelligkeit und sein Torriecher sind die größten Waffen des 17-Jährigen. Ein richtiger Vollstrecker mit feiner Technik und einem guten Schuss. Mehr kann man sich vorne drin eigentlich nicht wünschen als Trainer. Jann-Fiete Arp stößt zu diesen Zeiten in eine echte Lücke auf dem deutschen Spielermarkt. Dass er solche Schnittstellen ausnutzen kann beweist er ja jeden Spieltag als Mittelstürmer und genau an diesen Spielern fehlt es hier zu Lande. Echte Kanten, die einfach da sind, wenn der Ball vors Tor kommt. Viele ehemalige Spieler respektive Angreifer, wie Buffy Ettmaier, kritisieren die Mentalität, den Ball mittlerweile ins Tor tragen zu wollen. Es fehle an Leuten, die einfach mal draufhalten und Tore schießen.

Die gibt es in der Bundesliga schon auch, nur deutlich seltener und zudem kommt ein Robert Lewandowski der deutschen Nationalmannschaft auch eher weniger zu Gute. Ähnlichkeiten zwischen Lewandowski und Arp gibt es auf alle Fälle. Eine wäre die Abhängigkeit ihres jeweiligen Teams von den zwei Stürmern. In der Bundesliga und Championsleague bemerkt man im bayerischen Angriff das Fehlen des Polen sofort. Und auch die U17-Auswahl des Hamburger SV sieht ohne Jann-Fiete Arp nicht gut aus. In 10 Partien konnte der Wahlstedter nicht eingesetzt werden oder erzielte keinen Treffer. Ganze Sieben Spiele davon gingen verloren, magere fünf Punkte holte die Mannschaft ohne seine Tore. Zudem fehlt der Mannschaft dann nicht nur der Torjäger, sondern auch ein Spieler der vorneweg geht und die Mannschaft leitet. Seine Führungsqualitäten darf Arp als Kapitän immer wieder aufs Neue unter Beweis stellen und tat dies zuletzt sogar in der U17 Nationalmannschaft, beim 3:1 Erfolg gegen die Türkei, zu dem er selbst zwei Tore beisteuerte.

Natürlich unterscheiden ihn aber auch einige Dinge vom Weltklassespieler Lewandowski. So ist das bodenständige Nordlicht noch lange nicht so komplett, wie die Tormaschine der Bayern. Noch sei bei ihm kein Bereich ausgereizt, erzählte er in einem Interview. Ein neuer Uwe Seeler wird aus Jann-Fiete Arp wohl auch nicht mehr. Zu schwach ist dafür noch sein Kopfballspiel. Tore erzielt er also lieber mit dem Fuß und dann eigentlich auch nur mit Rechts. Auf dem linken Bein steht Arp zwar relativ sicher, aber so lassen sich Tore nur schwer mit dem schwachen Fuß erzielen. Wenn man es streng betrachtet, sind das zwei ziemlich große Defizite für einen Mittelstürmer. Deshalb arbeitet er jeden Tag hart daran diese zwei Faktoren zu verbessern. Letztendlich schränken ihn diese beiden Problemfelder auch noch nicht sonderlich ein, gut zu sehen an seiner Torquote. Will Jann-Fiete Arp allerdings den Sprung zu den Profis genauso gut meistern wie die laufende Saison, muss ein Fortschritt zu erkennen sein. Denn jedes Tor nur mit dem rechten Fuß erzielen zu können, macht ihn zu berechenbar für die erfahrenen Verteidiger in der Bundesliga.

Hamburgs neue Perle?

Nun muss man aber auch sagen, dass irgendetwas nicht stimmen könnte, wenn er gar keine Schwachpunkte besäße. Alles in allem bleibt er wohl das größte deutsche Sturmtalent, dass aus diesem Jahrtausend kommt. Das soll jetzt keinen Druck aufbauen, aber das übernehmen sowieso schon das kolportierte große Interesse von Chelsea und die Erwartungen der Hamburger Verantwortlichen. Dieselbigen wollen endlich ein HSV-Talent längerfristig halten, anders als bei Calhanoglu oder Tah. Ein Wechsel kommt für den jungen Arp jedoch erstmal sowieso nicht in Frage. Sein Jugendfördervertrag läuft noch bis 2018. Im gleichen Jahr macht er voraussichtlich auch sein Abitur am Heidberg-Gymnasium, einer Elite-Sportschule in Hamburg. Was danach kommt wird sich zeigen. Einen Profivertrag wird man ihm in der Hansestadt sicher anbieten. Sollte er ihn annehmen, bleibt nur zu hoffen, dass er nicht Opfer der riesigen Erwartungshaltung wird. Bringt er seine Qualität auf den Platz, ist der neue deutsche Jahrtausendstürmer gefunden… vorerst.

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