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Analyse

Dženis Burnić : Ein Dortmunder Jung

33.450 Zuschauer am Montagabend, dazu eine TV Live Übertragung… Nein, es handelte sich nicht um ein Spitzenspiel der 2. Bundesliga, sondern um das Finale der A-Jugend Bundesliga im Signal Iduna Park. Beim Zuschauerrekordspiel zweier Jugendmannschaften standen sich am Montag die A-Junioren des FC Bayern München und der Borussia aus Dortmund gegenüber. Nach 120 torlosen Minuten musste das Elfmeterschießen vor der sagenumwobenen Südtribüne, welche an diesem Tag für ähnliche Stimmung wie bei den Profis sorgte, entscheiden. Am Ende gewann der Favorit, der BVB, mit 8:7 und verteidigte somit den Titel der A-Jugend Bundesliga. Der durchaus bekannte Kader der Borussia mit Spielern wie Felix Passlack, Jacob Bruun Larsen (zurzeit verletzt), Christian Pulisic (inzwischen ausschließlich bei den Profis) wurde in dieser Saison von Kapitän Dženis Burnić angeführt und bewies mit dem Titel, dass er den widrigen Bedingungen mit vielen Verletzten sowie Trainerabgang Hannes Wolf, der den VfB Stuttgart seit Ende September zur 2. Liga Meisterschaft führte, trotzen konnte. Leistungsträger und Anführer Dženis Burnić hatte am Montag also einiges zu bejubeln. Denn neben der gewonnenen Meisterschaft hatte der Borusse am Montag auch noch seinen 19. Geburtstag zu feiern.

Von klein auf Borusse

Geboren wurde der Defensivspieler am 22.05.1998 in Hamm. Seine fußballerische Karriere begann der Deutsche, der Wurzeln in Bosnien-Herzegowina besitzt, beim SVE Heessen. Von dort ging es für ihn bereits mit 7 Jahren weiter zur Jugend des BVB. Aufgrund seiner guten Entwicklung in Dortmund durfte Burnić bereits 2012, in der U15, seine ersten Erfahrungen in der entsprechenden DFB Auswahl sammeln und durchlief seitdem sämtliche Juniorennationalmannschaften, aktuell die U19. Im Sommer 2013 schaffte er den Sprung in die U17 der Borussia und wurde dort bereits von Trainer Hannes Wolf gefördert. Dieser begleitete ihn von diesem Zeitpunkt an sowohl in der U17 als auch U19 bis September letzten Jahres, als Wolf nach Stuttgart wechselte und hatte somit die Möglichkeit ihn sehr gut kennenzulernen und zu prägen. Bereits in Saison 2015/2016 schaffte es Dženis Burnić als Stammspieler den Titel der U19 Bundesliga zu gewinnen. Nun, ein Jahr später, krönte der 19-jährige sein bisheriges Jahr 2017, in welchem er bei der Auswärtsniederlage gegen Darmstadt sein Bundesligadebüt feierte, mit der Titelverteidigung, ausgerechnet im prestigeträchtigen Duell gegen die Bayern.

Der Wolf-Schützling

Was für ein Spielertyp ist Dženis Burnić? Mit dem 19-jährigen besitzt der BVB ein weiteres Defensivtalent das meist auf der 6 spielt, jedoch ebenso als Innenverteidiger, Außenverteidiger oder 8er einsetzbar ist. Allein die Tatsache, dass der Borusse vielseitig einsetzbar ist, kann bereits als große Stärke und entscheidender Vorteil angesehen werden. Vor allem wenn es darum geht sich im Profibereich durchzusetzen ist es von großer Hilfe flexibel zu sein und so möglicherweise Einsatzzeiten durch das Ersetzen verletzter Stammkräfte zu sammeln. Geprägt wurde er maßgeblich durch seinen langen Wegbegleiter und ehemaligen Trainer Hannes Wolf. Mit diesem gewann er sowohl die deutsche U17 als auch U19 Meisterschaft.

Nach der Spielweise der BVB-Profis richten sich auch die Systeme von Dortmunds Jugendteams um die jungen Spieler optimal auf eine mögliche Profikarriere bei der Borussia vorzubereiten. Dementsprechend ist auch Burnić als moderner Spielgestalter und einleitende Figur des Umschaltspiels anzusehen.

Im Spielaufbau lässt er sich als 6er immer wieder zwischen die Innenverteidiger fallen und ist so als erste Anspielstation verfügbar. Ähnlich wie Julian Weigl verlagert der Linksfuß immer wieder die Seiten, leitet mit klugen Pässen in die Tiefe das tempogeprägte Angriffsspiel seiner Mannschaft ein und ist in Drucksituationen des Gegners auf seine Mitspieler stets als Anspielstation verfügbar und hilft so sein Team aus dem Pressing des Gegners zu befreien. Hinzu kommt, dass er mit seinem linken Fuß auch über einen starken Abschluss verfügt und somit für Torgefahr, auch aus der Distanz, steht. Nicht umsonst erzielte der 19-jährige in der A-Junioren Bundesliga in dieser Saison 7 Treffer.

Defensiv befindet sich Dženis Burnić als zentrale Figur vor der Abwehr. Hier dient er nicht nur als Abräumer und versucht seinen Hintermännern möglichst viel Arbeit abzunehmen, sondern auch als Dirigent und Organisator der Offensivspieler. Mit gezielten Kommandos sorgt er für eine stabile Defensivarbeit und eine kompakte Einheit. Hinzu kommt, dass der 1,85m Große über Führungsqualitäten verfügt, sowohl auf als auch neben dem Platz. In schwierigen Situationen schreitet er voran und pusht seine Mitspieler. Perfektes Beispiel: Das Halbfinale der deutschen Meisterschaft gegen den VfL Wolfsburg. Gegen die Wölfe lag der BVB im Hinspiel zweimal zurück. Doch am Ende gewannen die Dortmunder dank zweier Tore des Kapitäns mit 3:2 und beendeten damit die lange Erfolgsserie der Niedersachsen.

Viel Luft nach oben

Trotz seine für sein junges Alter beeindruckenden Fähigkeiten muss der junge Defensivallrounder noch viel an sich arbeiten, will er sich in Dortmund durchsetzen. Auch wenn der 19-jährige technisch hervorragend ausgebildet ist und sich seine Qualität in der Ballverarbeitung auf äußerst hohem Niveau befindet, so verliert er doch immer wieder Bälle im Mittelfeld. Zu verspielt will er oft alles spielerisch lösen und riskiert so leichtsinnige Ballverluste. Vor allem im Profibereich muss er diese Schwäche ausmerzen, da solche Ballverluste im Zentrum vor der Abwehr in der Bundesliga fast immer bestraft werden.

Meister und jetzt?

Wie geht es also für den frischgebackenen A-Jugend Meister weiter? In der kommenden Saison wird er voraussichtlich dem Profikader Dortmunds angehören. Zwar trainiert er dort schon seit letztem Sommer immer wieder mit, gespielt hat er jedoch fast ausschließlich in der U19. Aber kann er sich wirklich beim Champions League Teilnehmer als Stammkraft durchsetzen? Wahrscheinlich nicht. Mit Mahmoud Dahoud und Ömer Toprak stehen bereits zwei Neuzugänge für zentrale Positionen fest, dazu kommt mit Weigl, Castro, Guerreiro, Merino, Sahin und Rode eine Menge interne Konkurrenz. Selbst gestandene Bundesligaspieler wie Rode oder Sahin hatten es schwer in dieser Saison auf Spielzeit zu kommen. Warum könnte Burnić dennoch eine Chance auf Spielpraxis haben?

Antwort: weil er äußerst flexibel einsetzbar ist. Zwar wird es für ihn kaum möglich sein sich als Stammspieler zu etablieren, jedoch könnte er durchaus immer wieder auf Spielzeit kommen, als Ersatz für verletzte oder gesperrte Spieler. Darin kann der 19-jährige seine Chance sehen. Zudem muss er sich kontinuierlich weiterentwickeln und ergänzend Spielpraxis in der zweiten Mannschaft sammeln, sollte er in der Bundesliga nicht zum Einsatz kommen.

Entscheidend wird auch sein wer in der kommenden Saison Trainer beim BVB ist. Denn momentan sieht es nicht danach aus als könnte die Tuchel-Watzke Problematik gelöst werden. Damit ist ein Abschied Tuchels durchaus wahrscheinlich. Wer als Nachfolger kommt ist derzeit noch unklar. Als Kandidat gilt jedoch der aktuelle Nizza Trainer Favre.

Dass sich beim BVB junge Spieler auch überraschend zu Stammspielern entwickeln können zeigte zuletzt Julian Weigl, der es inzwischen sogar zum Nationalspieler geschafft hat. Dženis Burnić könnte sich diesen als Vorbild nehmen, nicht nur spielerisch.

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