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Analyse

Dribbelkünstler mit großem Namen: Justin Kluivert

Der FC Schalke 04 scheidet nach einem tollen Spiel und großen Kampf gegen Ajax Amsterdam unglücklich als dritte deutsche Mannschaft innerhalb einer Woche aus Europas Wettbewerben aus. Protagonist auf Seiten der Niederländer, der mit einem Assist im Hinspiel maßgeblich zum Ausscheiden der Gelsenkirchener beitrug, ist der erst 17 Jahre alte Justin Kluivert. Der Sohn des ehemaligen Champions League Sieger und aktuellen Sportdirektors von Paris Saint Germain macht bereits in seinem noch jungen Alter international auf sich aufmerksam und ist spätestens nach der Europa League Viertelfinalrunde, auch aufgrund seines Vaters, bei Deutschlands Fußballfans in aller Munde.

Im Halbfinale hat er mit seinem Team die Möglichkeit, nach langer Abstinenz mal wieder das ganz Große zu schaffen und Ajax Amsterdam für ein internationales Finale zu qualifizieren. Dafür müssen sie sich jedoch zuerst am 4. und 11. Mai gegen Olympique Lyon durchsetzen, was gewiss kein Selbstläufer wird. Das Team aus Südfrankreich eliminierte im Viertelfinale Besiktas Istanbul und lechzt nun, wie alle anderen Teams auch, danach das Finale zu erreichen. Aber vielleicht kann Kluivert in diesem Spiel trotz seines jungen Alters den Unterscheid machen.

Auf den Spuren seines Vaters

Wie sein Vater, genoss auch der am 05.05.1999 in Zaandam, Niederlande, geborene Justin die weltberühmte Jugendakademie von Ajax Amsterdam. Der 1,75m große Rechtsaußen, der auch in der zentrale und auf dem linken Flügel einsetzbar ist, kam bereits 2007 im Alter von 8 Jahren zu Ajax und durchlief seitdem alle Jugendteams. So verfügt er selbstverständlich über eine erstklassige fußballerische Ausbildung, die dem Rohdiamanten Stück für Stück einen Feinschliff verpasste.

In der aktuellen Saison überzeugte er zunächst in der A-Jugend und in der zweiten Mannschaft, wo er in insgesamt 22 Spielen mit 8 Toren und 13 Assists auf sich aufmerksam machte. Zur Belohnung durfte Kluivert am 15.1.2017 bei den Profis, im Spiel gegen Zwolle, sein Debüt feiern und dass sogar in der Startelf. Doch der 3:1 Auswärtssieg gegen PEC Zwolle war nur der Startschuss. Seitdem absolvierte der 17-jährige 11 Spiele in der Eredivisie und 4 Spiele in der Europa League. Auch hier schaffte er es auf für sein junges Alter beachtenswerte 3 Torbeteiligungen, eine davon, wie eingangs erwähnt im Viertelfinalhinspiel gegen die Knappen aus Gelsenkirchen.

Neben seiner Vereinskarriere spielt Kluivert, der sowohl die niederländische als auch surinamische Staatsbürgerschaft besitzt, auch für die U19 Nationalmannschaft der Niederlande. Dort durchlief er ebenfalls alle Mannschaften seit der U15. Der Sportartikelgigant Nike hat das Potential des Niederländers längst erkannt und den Jungen mit einem Ausstattungsvertrag gebunden.

Typische Ajax Schule

Was macht den jungen Niederländer so stark, dass inzwischen alle auf ihn aufmerksam geworden sind? Sein vielleicht größtes Plus ist seine brillante Technik kombiniert mit seiner absoluten Beidfüßigkeit. Natürlich ist auf hohem Niveau jeder Spieler dazu in der Lage, auch mit seinem schwachen Fuß einen ordentlichen Pass und Torabschluss zu Stande zu bringen. Justin Kluivert ragt hier trotzdem heraus, denn er kann wirklich nahezu alles am Ball und dass mit beiden Beinen. Dies ermöglicht ihm nicht nur im Spiel sowohl auf dem rechten als auch auf dem linken Flügel zu spielen, sondern bietet ihm auch während des Spielgeschehens alle Möglichkeiten.

Einerseits verfügt Kluivert über ein außerordentlich starkes Tempodribbling, mit dem er dazu in der Lage ist, jeden Verteidiger der Welt zu knacken. Hier spielt ihm besonders seine Schnelligkeit und die Tatsache, dass er ein extrem trickreicher Spieler ist, in die Karten. Schaut man ihm beim Spielen zu, so erlebt man Eleganz und Verspieltheit auf höchstem Level. Wie auf Schienen bahnt er sich einen Weg durch die gegnerische Abwehr und verursacht damit das reinste Chaos in der Defensive.

Hinzu kommt ein guter Torabschluss, der ein gelungenes Dribbling oftmals veredeln kann. Dabei liegt seine große Stärke besonders in der Ruhe und guten Schusstechnik, mit welcher er sowohl aus der Distanz als auch im Strafraum punkten kann.

Spielt er auf dem Flügel, so kann Justin Kluivert besonders mit seinen torgefährlichen Flanken überzeugen. Wird er auf der Außenbahn angespielt, geht er sofort ins Volltempo über und verschafft sich durch ein Tempodribbling freie Räume. Ist dieses geglückt, hat er dann aufgrund seiner ebenfalls guten Übersicht die Chance, die freien Stellen im Sechzehner zu erkennen und den Ball perfekt getimt in diese zu flanken.

Die vorhandene Übersicht bietet ihm zudem aber auch die Möglichkeit, auf einer zentralen Position zu spielen und von dort aus seine Mitspieler in Szene zu setzen. Mit seiner stark ausgebildeten Grundtechnik, zu der sowohl Passspiel, als auch Ball An- und Mitnahme gehört stehen ihm alle Türen offen.

Was Justin Kluivert jedoch aus vielen Talenten herausstechen lässt und ihn zu etwas Besonderem unter vielen macht, ist seine Kreativität und Verspieltheit, mittels derer er immer wieder für Überraschungsmomente sorgt, die gegnerische Abwehr aus den Angeln hebt und dadurch Spiele entscheiden kann. Erst diese Gabe, für die ganz besonderen Momente sorgen zu können, verleiht ihm die Option, ähnlich wie sein Vater, einmal ein ganz Großer zu werden.

Trotz all des Lobes für den Youngster und die Aufmerksamkeit, die er momentan genießt, darf nicht vergessen werden, dass Kluivert noch nicht am Maximum seines Leistungsstandes ist und dass er durchaus noch über Verbesserungspotential an einigen Stellen verfügt. Obwohl er bereits einen guten Antritt und ein hohes Sprinttempo besitzt, ist der 17-jährige vor allem athletisch noch längst nicht ausgereift und kann daher nicht nur noch schneller, sondern auch noch deutlich robuster werden. Diese Fähigkeiten würden sein Tempodribbling, wie auch seine Zweikampfstärke auf ein neues Level bringen.

Neue Hoffnung für Oranje

Ajax Amsterdam wird von Justin Kluivert nun vor ein Dilemma gestellt. Sollen sie sich über seine schnelle Entwicklung freuen, da er so dem Team weiterhelfen kann oder müssen sie eher ein wenig traurig sein aufgrund der Tatsache, dass er durch seine überzeugenden Leistungen von halb Europa gejagt wird und somit vermutlich in naher Zukunft Amsterdam verlassen wird. Fakt ist, dass der Youngster bei den Niederländern einen Vertrag bis Sommer 2019 hat und bei vorzeitigem Verlassen wohl eine deutlich höhere Ablöse als sein aktueller Marktwert von 1 Millionen € anfallen würde. Vom Potential, soweit man dieses abschätzen kann, steht er seinem Vater jedenfalls in nichts nach und sollte er dieses umsetzen können und sich kontinuierlich weiterentwickeln, wird wohl auch Justin Kluivert in naher Zukunft, für eines von Europas Topteams auflaufen. Die krisengebeutelte Nationalelf der Niederlande dürfte sich besonders freuen, in nächster Zeit vielleicht einen neuen Hoffnungsträger zu erhalten.

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