Der wohl spektakulärste Transfer, den der BVB diesen Sommer tätigte, war ein Verkauf. Wohl jeder der weiß wie Fußball geschrieben wird, weiß auch, dass Ousmane Dembele nach nur einem Jahr in der Bundesliga für 150 Millionen zum FC Barcelona gewechselt ist. Ein Transfer mit Signalwirkung an alle hoch veranlagten Kicker der Welt: Kommt zum BVB und wir machen euch zu Superstars. Diese Vorgehensweise scheint zu funktionieren, schließlich ist das Trainingsgelände des BVB das größte Sammelsurium für Jungs, die von der ganz großen Karriere träumen.

Zu jenen gesellt sich nun auch Jadon Sancho, seines Zeichens eines der größten Talente Englands. Er kommt für 7 Millionen Euro von den Sky Blues aus Manchester und hat, ähnlich wie Dembele, in seinem noch recht jungen Leben bereits hohe Wellen geschlagen.

Englischer Nachwuchs

Positiv um sich reden machte der 17 jährige Junge mit Wurzeln in Trinidad und Tobago bei der letzten U17 Europameisterschaft, bei der zum Spieler des Turniers gekürt wurde und sich auf die Listen der großen europäischen Vereine schreiben ließ. Da er zu diesem Zeitpunkt aber bereits bei einem großem Verein, nämlich Manchester City, spielte, machten sich natürlich auch die Verantwortlichen des Scheich-Klubs um Startrainer Pep Guardiola auf, den Jungen langfristig zu binden. Sie unterbreiteten Sancho einen Vertrag der ihm mit seinen 17 Jahren unglaubliche 30.000 Euro bringen sollte. Pro Woche wohl gemerkt. Wo andere neben der Schule im Supermarkt jobben, um vielleicht 50 Euro zu verdienen, hätte Sancho mal eben ein Jahresgehalt bekommen.

Bei diesem Angebot gab es von dem jungen Mann nur eine klare Antwort: Nein! Er kündigte seinen Scholarship-Vertrag, eine Art Ausbildungsvertrag, was absolut rechtens ist. Ging nicht mehr zum Training, weil er keinen Vertrag mehr besaß und wechselte schließlich zu Borussia Dortmund. So krude dieser Wechsel auch medial aufgebauscht wurde, so absolut korrekt war er. Man City ist eigentlich der große Gewinner, denn vermutlich hätte Dortmund überhaupt keine Ablöse zahlen müssen, außer einer Ausbildungsentschädigung. Um Citys Gang zum Sportgericht zu verhindern, aus gutem Willen und dem Wunsch nach einem guten Verhältnis zum Pep-Klub, aber vor allem in dem Wissen, dass der Junge die 7 Millionen Euro locker wieder einbringt, zahlte der BVB dennoch. Selbst Emre Mor, der kaum Einsatzzeit hatte, brachte einen Transfergewinn von 3,25 Millionen. Das Dortmunder Modell zieht auch wirtschaftlich.

Spielereien

Zurück zu den wahren Werten des Fußballs und die liegen bekanntermaßen auf dem Platz. Da hat das englische Talent nämlich auch so einiges zu bieten: Sanchos Heimat ist der linke Flügel, auf dem er seine große Stärke gut zur Schau stellen kann: Das 1 gegen 1. Sancho ist sehr dribbelstark. Bei fast jedem Schritt berührt ein Fuß den Ball und somit ist er auch bei fast jedem Schritt in der Lage die Richtung zu ändern oder Drehungen einzubauen, die die meisten Gegenspieler auf dem falschen Fuß erwischen. Einem schnellen Antritt folgt eine nicht ganz so schnelle Endgeschwindigkeit, die er aber auch kaum braucht, da er sowieso lieber in Richtung 16er dribbelt, statt zur Grundlinie zu gehen. Dort können andere hinlaufen, denn Sanchos Dribblings können gut und gerne die Aufmerksamkeit von 2 oder 3 Gegenspielern gleichzeitig auf sich ziehen, was zu großen Lücken im Defensivverbund der gegnerischen Mannschaft führen kann, die Sancho mit kurzen Pässen dann auch gut bespielt, falls ein Mittspieler in sie eindringt und Sancho ihn auch sieht.

Der zweite Fall kommt nicht immer vor, den die größte Stärke des jungen Engländers ist auch noch seine größte Schwäche: Er dribbelt viel zu gerne. Viele seiner Zweikämpfe sind unnötig und könnten durch besser postierte Kollegen vermieden werden. Etwas, dass er im Profifußball abstellen muss, wenn er nicht möchte, dass seinem Trainer am Seitenrand die Schlagader platzt.

Aber der Junge ist ja erst 17. Sein Wechsel zeigt, dass er weitsichtig genug ist, um Spielanteilen dem schnellen und vielen Geld vorzuziehen. Vermutlich wird er auch bereit sein, die Tipps von einem Trainer wie Peter Bosz, der schon oft erfolgreich mit jungen Talenten gearbeitet hat zu folgen und zu lernen. Seinen ersten kurzen Einsatz für den BVB hatte Sancho schon: 45 Minuten mit der U23, in der er ein Tor vorbereitete und ein anderes mit einleitete.

Nicht Dembele

Behutsames Heranführen ist die Devise mit der der BVB hier und auch sonst immer gut fährt. Dass Sancho bereits nach einem Jahr wieder teuer verkauft wird ist allerdings unwahrscheinlich, hat er doch noch nicht einen Profieinsatz vorzuweisen. Außerdem hat ihn der BVB nicht für die Championsleague gemeldet, in der Dembele letztes Jahr glänzte.

Er ist auch jünger als der Franzose, der mit 19 Jahren zum BVB kam. Aber wahrscheinlich steht der junge Engländer in 3 Jahren immer noch auf den Zetteln der großen Klubs, dann sicherlich mit ein paar Nullen mehr als zuvor. Wenn der BVB, der nicht immer zu einem Verkauf gezwungen werden kann, Sancho ist ja nun bewiesenermaßen kein Streiker,  dann verkauft, dann hat Sancho es geschafft und es ist wieder bewiesen, dass der Talentedurchlauferhitzer mit Namen BVB funktioniert: Also, der nächste bitte.

Facebook-Kommentare