Immer wieder zieren „Weltauswahlen“ von amtierenden wie ehemaligen Profis die Storylines jeglicher Social-Media-Portale. Jene zeigen uns, welch großartige Sportler dem Weltfußball ein Gesicht verliehen haben und über die Jahrzehnte für die verschiedensten Ausprägungen des Spiels und vorherrschende Kulturen stehen. Kicker wie Alfredo di Stefano, der Real Madrids Zeitrechnung in den 50er-Jahren neu ausrichtete. Johan Cruyff, ein Genie, das den Weltfußball durch Vereine wie Ajax Amsterdam und Barca revolutionierte. Oder Pelé, der mit drei gewonnen WM-Titeln als Inbegriff eines ganzen Wettbewerbs angesehen werden kann. Namen wie Maradona, Ferenc Puskas, Zinédine Zidane, Franz Beckenbauer, Bobby Moore oder Franco Baresi würden sich neben vielen weiteren ebenso in eine schier endlose Liste einreihen. Nun schreiben wir das Jahr 2018. Wir leben in einer Zeit, in der zwei Spieler, die gänzlich über ihrem Sport stehen und das Ausmaß an Leistung neu definieren, globaler Bestandteil wirrer und haltloser Diskussionen sind, die deren Bedeutung nicht gerecht werden. Cristiano Ronaldo und Lionel Messi repräsentieren Idealbilder für harte Arbeit, Talent und grenzenlosen Willen. Die beiden Ausnahmefußballer verkörpern das Maximum fußballerischer Fähigkeiten und einen Weg, der Youngsters eine Leitlinie für ihre Zukunft aufzeigt. Vor allem für aufstrebende Nachwuchskicker stehen sie für Orientierung, Sicherheit und Motivation – Persönlichkeiten, zu denen bewusst aufgeschaut sowie deren Verhaltens- bzw. Denkweisen adaptiert werden. Unbewusst sind sie teil des sozialen Lernprozesses, der nachweislich stärkere Auswirkungen auf die persönliche Entwicklung hat, als Versuch und Irrtum. 

El Clásico – Das bedeutendste Match des europäischen Ligafußballs

Video anlässlich des letztjährigen 174. Liga-Clásicos (Quelle: Youtube La Liga)

Zurück versetzt in das Jahr 1902, wird am 13. Mai im Zuge der Copa de la Coronacion (dem Krönungspokal von Alfons XIII.) das erste Aufeinandertreffen der beiden fußballerischen Großmächte protokolliert. Nur drei Jahre liegen die Gründungsdaten der beiden Klubs auseinander (Barca: 1899, Real: 1902), so stehen im Status Quo für beide Teams jeweils 89 Titel im Trophäenschrank. Einst als verlängerter Arm politischer Gegensätze, setzt das Spektakel heute primär sportliche Reize. Zudem fachen regionale Kontroversen das Geschehen zusätzlich an. Im nunmehr 238. offiziellen „El Clásico“ treffen der diesjährige vorzeitige spanische Meister Barca und das weiße Ballett aus Madrid aufeinander. Mit den jeweiligen Superstars ist es indes nicht nur ein Duell der beiden Vereine, oder einem Kampf zwischen „CR7“ und Leo Messi, sondern ein weiteres Kräftemessen der renommieren Talentakademien von Sporting Lissabon und La Masia – Individualismus vs. Kollektiv. Wogegen Sporting in den vergangenen Jahren deutlich produktiver arbeitet als das vermeintliche Ausbildungs-Novum der Katalanen.

 

Wer denkt, das Spiel hätte sein Charisma aufgrund der bereits entschiedenen Liga verloren, sollte sich eines Besseren belehren lassen. Die Verweigerung des traditionellen Spaliers für den spanischen Pokalsieger und Meister durch die Mannen von Zinédine Zidane zeigt, dass, obgleich das Resultat keine sportliche Auswirkung hat, die Rivalität nie die übliche Brisanz verloren hat. Bisher durften 786 Tore durch 263 verschiedene Spieler bejubelt werden – Real ist indes in der Lage, den anhaltenden Rekordlauf ungeschlagener Spiele der Katalanen zu stoppen. Derzeit haben die „Königlichen“ die Nase im Kräftemessen noch vorne, obwohl sich die Statistik zusehends ausbalanciert. 93 Siege konnte Real Madrid davontragen, während die Blaugrana mit 91 Triumphen nur knapp dahinter stehen – 48-mal trennte man sich per Remis. Um sich die Intensität der Begegnung zu vergegenwärtigen, soll das nebenstehende Video, das von der spanischen Fußballliga im Vorfeld des letztjährigen 174. Liga-Clásicos produziert wurde, dienen (Repräsentiert nur Ligapartien).

Zahlen, Daten, Fakten

Die Trophäen vorerst ausgeblendet, erreichen sowohl Lionel Messi, als auch „CR7“ eine bemerkenswerte Marke an Torbeteiligungen. Während Cristiano Ronaldo in 906 Spielen mit 652 Toren (50 Hattricks) und 207 Assists glänzen konnte, erzielte sein argentinischer „Widersacher“ in 757 Partien 611 Treffer (46 Hattricks), denen er 249 Assists beifügte. Somit ist Lionel Messi durchschnittlich an 1,14 Toren pro Spiel beteiligt, während der Portugiese eine Quote von 0,95 aufweist. Diese Zahlen repräsentieren das Verhältnis wettbewerbsübergreifend. Mit Ausnahme der Champions League, in der „CR7“ einen leichten Vorteil hat, jedoch mit 25 Treffen Abstand auf Leo Messi führt, hat „La Pulga“ in jeglichen Vergleichen die Nase vorne, solange die absoluten Torbeteiligungen als Maßstab herangeführt werden und der komparativen Torstatistik keine gesonderte Gewichtung beiliegt.

Um von der reinen Tormaschinerie Abstand zu nehmen, wird als zweiter und letzter Punkt der Trophäenschrank unter die Lupe genommen. Zu Beginn wird hier eine Differenzierung zwischen Klub- und Nationalmannschaftsebene vorgenommen. Eine Gewichtung der einzelnen Wettbewerbe wird in der beiliegenden Grafik bewusst nicht vorgenommen, da dies auf subjektiver Ebene geschehen würde. Allerdings fließt eine Abwägung nachfolgend mit ein.

Titel-Vergleich auf Klub- sowie Nationalmannschaftsebene (eigene Grafik)

Jedoch werden Fans von „CR7“ nicht müde, seine nationalen Erfolge mit, nimmt man Sporting Lissabon außen vor, zwei großen Klubs in verschiedenen Ligen zu betonen. Speziell, weil es sich bei der anderen Spielsphäre um die Premier League handelt, die zweifelsohne als die wettbewerbsoffenste Liga angesehen werden kann. Nirgends ist die Meisterschaft derart umkämpft wie auf der Insel. Die Frage, die sich hier sofort aufdrängt ist jedoch: „Ist dies wirklich relevant?“. In den Augen des Autors – Nein! Freilich ist dies respektabel und zu honorieren, jedoch ist auf subjektiver Ebene auch Vereinstreue, wie sie im Fall Lionel Messis zugrunde liegt, eine zu bedenkende Leistung. Messi misst sich mit den besten der Welt, trotz einer dauerhaft „schwächeren“ Liga als es die Premier League ist. Seine Liebe zum Verein ist der Grund, warum lukrative Angebote Jahr für Jahr ins Leere laufen und „La Pulga“ weiterhin seine Rekorde im Dress der Blaugrana verzeichnet. Jenen, die mit exorbitanten Summen seitens Barcelona argumentieren, ist hier nicht gänzlich die Schlagkraft zu nehmen. Jedoch ist zu berücksichtigen, dass Barca bei weitem nicht die monetären Mittel zur Verfügung hat, um den diversen lukrativen Angeboten die Stirn zu bieten. Auch jene, die mit einem „sicheren Hafen“ antworten, sollen hier Recht behalten – Messi weiß sehr genau, wer großen Anteil am Verlauf seiner Karriere hatte.
Im Trophäen-Vergleich hat in absoluten Zahlen, auch aufgrund der Errungenschaft in weniger Spielzeiten, Lionel Messi die Nase vorne. Klar ist jedoch, dass dem Europameister-Titel, speziell hier im europäischen Raum, eine starke Bedeutung beigemessen wird, welche Cristiano in den Augen einiger Befürworter, da sie den Erfolg im Trikot der Nationalmannschaft stark gewichten, auf eine höhere Ebene stellen mag. Das Argument, Ronaldo hätte auf beiden Ebenen glänzen können, rückt Messis Auftritt ein wenig in den Schatten. Abseits davon ist dies in erster Linie natürlich nicht ausreichend, um einen klaren Vorteil auszumachen, jedoch auch ein Augenmerk, den die Fan-Basis des Argentiniers schwerlich wegdiskutieren kann. Hinzu kommt, dass der Portugiese nach dem vergangenen Champions-League-Halbfinal-Rückspiel gegen den FC Bayern vor seinem fünften Europapokal-Titel steht, der dem Trophäenschrank Ronaldos einen gewissen Mehrwert gegenüber jenem von Lionel Messi gewährt.

Dennoch mögen all jene, die mit unterschiedlichen Ligen argumentieren, hier die primäre Position behalten, da dies ein Umstand ist, den Messi voraussichtlich nie egalisieren wird. Auf der Seite kollektiver Auszeichnungen ist somit eine Grundsatzdiskussion über Qualität und Quantität zu führen. Sollte allerdings der Europapokal-Titel für Real Madrid diese Saison ausbleiben, wird jene nur noch umstrittener. Aufgrund dieser Umstände ein Urteil über die höhere Qualität des Spielers zu fällen, ist somit haltlos, da Teams jene Titel gewinnen und nicht einzelne Individuen. Dies bringt uns nachfolgend zu den persönlichen Auszeichnungen.

Individuelle Titel im Vergleich (eigene Grafik)

„Ich bin nicht besessen von individuellen Titeln. Ich bin viel mehr daran interessiert Teil eines Teams zu sein, das Trophäen gewinnt“ (Cristiano Ronaldo) vs. „Es war ein wunderschönes Gefühl, diese ganzen Auszeichnungen zu gewinnen. Allerdings stehen die Titel mit den Jungs im Vordergrund“ (Lionel Messi). Dennoch scheint es, als wolle der Portugiese die individuelle Anerkennung stets ein Stück mehr als sein Kontrahent. Hatten sie noch eine ähnliche Ausgangssituation, in der sie sich alles hart erarbeiten mussten, macht es nun am Gipfel ihres Schaffens den Anschein, als ob die Schule „La Masia“, durch die der Argentinier gehen musste, die vermittelte Bescheidenheit dauerhaft in dessen Person verankert hat. Freilich soll dies nicht bedeuten, dass Ronaldo im Gegensatz zum Argentinier Charakter abgesprochen wird. Zu leugnen ist jedoch nicht, dass der Portugiese einen Hang zur Arroganz und Selbstdarstellung hat. In den Augen des Autors ist dies möglicherweise nur ein geringer Teil seiner Persönlichkeit, jedoch der entscheidende Part, der die Art und Weise seiner Vermarktung bestimmt. Übersteigertes Selbstvertrauen vs. Bescheidener Musterknabe = Ronaldo vs. Messi? Eher nicht – zumindest nur in der Außendarstellung. Sowohl Ronaldo, als auch Messi zeigen soziales Engagement, arbeiten hart und wissen sich zu präsentieren.

All das ist jedoch keine Auslegung ihrer individuellen Errungenschaften. Zweifelsohne hat hier Ronaldo ein Quäntchen Vorsprung – die finale Tendenz in dieser Kategorie wird jedoch erst der Weltfußballer-Titel 2019 setzen, welche der Champions-League-Titel und die anstehende Weltmeisterschaft in Russland stark beeinflussen werden. Hierzu sei jedoch auch abschließend noch ein Gedanke genannt: Politik und Marketing sind zweifelsohne kein Unikat aufseiten der Klubs und Unternehmen im Sport – vor allem die Wahl zum Weltfußballer und Europas Fußballer des Jahres verdeutlicht eine Parallele. Somit gewinnt die stärkere Basis, der letzte Eindruck oder eine subjektive Neigung diese Titel – keine absoluten Argumente oder Fakten. Franck Ribéry (Weltfußballerwahl 2014) oder Andrés Iniesta (Weltfußballerwahl 2010) können hiervon sprichwörtlich ein Lied singen. Die kommende Wahl wird einmal mehr bestätigen, ob es sich ausschließlich um die beiden Ausnahmefußballer dreht oder ob wirklich herausragende Leistungen gewürdigt werden. Schon lange scheint es so, als würde an Messi und Ronaldo auch mit mittelmäßigen Leistungen kein Weg vorbeiführen, da sie im Gesamtbild auch ohne ihr maximales Können über allen anderen stehen.

Ronaldo vs. Messi – Tormaschine vs. Spielmacher

Heatmap von Cristiano Ronaldo aus der Saison 2017/2018 (Quelle: Global Soccer Network)

Um die Positionierung von Ronaldo zu klären bedarf es wenig fußballerischen Sachverstand und Fantasie. Der Portugiese bekleidet vornehmlich, hat er noch bei den Red Devils auf der rechten Seite agiert, die linke Außenbahn. Zuweilen wird er auch in vorderster Front eingesetzt, um als starke Präsenz die Verteidigung zu beschäftigen und für Flexibilität des Systems zu sorgen. Ronaldos Stil hat sich über die Jahre hinweg gewandelt – auf eine interessante Weise. Legte er in seiner Anfangszeit bei Sporting Lissabon und Manchester United noch den Fokus auf Dribblings, so entwickelte sich dies zum Ende seiner Zeit in England auf erhöhte Priorität des Toreschießens. Nun ist er am gefährlichsten ohne Ball und hyperfokussiert auf das Erzielen von Toren. Mit seinen 1,86m und seiner außergewöhnlichen Physis verkörpert „CR7“ ohnehin den ausgewachsenen Prototyp eines Spielers, der perfekt zu sein scheint. Ronaldo ist stark in der Luft, ist durch seine enorme Power und nahezu identisch auslegbare Füße unberechenbar für seine Gegenspieler. Zudem agiert er mit einer wahnsinnigen Wucht, schafft es auf Knopfdruck zu explodieren und mit seiner Masse sowie rasender Geschwindigkeit stets einen entscheidenden Vorteil für sich zu erarbeiten. Darüber hinaus ist der mehrfache Weltfußballer technisch herausragend und weiß sich für die eine oder andere Sternstunde gekonnt in Szene zu setzen. Die hier herausgestellte einwandfreie Technik soll jedoch nicht allein auf „CR7s“ Konto verbucht werden, da seine Ausprägung fußballspezifischer Technik differenziert betrachtet werden muss – immerhin verkörpert auch Lionel Messi den höchsten Grad technischeFähigkeiten, eben nur innerhalb einer schnörkelloseren Interpretation.

 

Ronaldo verkörpert sowohl auf als auch neben dem Platz den „Shooting-Star“. Um seine gesamte fußballerische Persönlichkeit jedoch so komprimiert wie möglich zu verpacken reicht ein einziges Wort: Tormaschine! Und freilich hat Ronaldo dafür nicht das alleinige Patent, da es auch anderweitig herausragende Torjäger gibt – jedoch ist keiner auch nur annähernd mit dem torhungrigen Ausnahmekönner in dieser Kategorie gewachsen. Genau hier setzt auch die grundlegendste Differenz zwischen Ronaldo und Messi an. Der Argentinier ist ebenso wie sein universell titulierter „Erzfeind“ torgefährlich – überdurchschnittlich sogar. Jedoch ist Messis Spiel nicht darauf ausgelegt – „La Pulga“ spielt im Unterschied zum Portugiesen Fußball. Hier soll das „Spielen“ besonders auf die Goldwaage gelegt werden, da es so spielerisch wie nur irgend möglich verstanden werden soll. Barcas Wunderkicker erinnert stets an einen kleinen Jungen, der nur mit seinem Ball und anderen Kindern auf dem nahegelegenen Bolzplatz kicken möchte. Diese „Kinder“ sind freilich nur als reine Metapher zu verstehen.

Heatmap von Lionel Messi aus der Saison 2017/2018 (Quelle: Global Soccer Network)

Die beiliegenden Heatmaps (Quelle: Global Soccer Networks) sollen indes veranschaulichen, welchen Wirkungsradius Ronaldo und Messi haben. Die Grafik stammt aus der aktuellen Spielzeit und versinnbildlicht den generellen Unterschied. Auch wenn „La Pulga“ unter Ernesto Valverde in der Sturmspitze des 4-4-2-Systems aufläuft und in der Vergangenheit den rechten Flügelbekleidete, so ist sein Hauptspielplatz das Zentrum in der Tiefe. Zudem ist er überall auf dem Feld zu finden, um das Spiel aufzuzäumen, Bälle zu ziehen und Lücken für seine Kollegen zu reißen. Messi versteht das Spiel wie kein anderer, trifft in Sekundenschnelle richtige Entscheidungen und gleitet mit dem Ball über den Platz als wäre es das selbstverständlichste der Welt. Im Vergleich wirkt „CR7“ sehr fokussiert am Ball, überlegend, welche Aktion er als nächstes anbringt. Sein Spiel ist steifer als jenes von Messi. Diese Einordnung in das Grundkonzept des Spiels zeigt schon, dass alleinig die Position einem Kopf-an-Kopf-Vergleich einen Strich durch die Rechnung macht. Um ein weiter entferntes Beispiel heranzuziehen, das jedoch eine gewissen Parallele aufweist, denke man nur an die 70er-Jahre zurück, als der ständige Vergleich zwischen Johan Cruyff und Franz Beckenbauer die Mundpropaganda speiste und Anfang des aktuellen Jahrtausends in der Ernennung Cruyffs zu Europas Fußballer des Jahrhunderts gipfelte. Zwar sind jene Positionen noch weiter entfernt als die Cristianos und Lionel Messis, dennoch waren auch sie nur in ihrer Art das Spiel zu interpretieren grundverschieden, während Messi und Ronaldo gleiches tun – auf ihre ganz eigene Art und Weise.

 

Diplomatie als schüchterner Sachverständiger?

„Er tut Dinge, die ich noch nie von einem anderen Spieler gesehen habe. Es ist fantastisch ihm zuzusehen. Er ist der Beste“ (Sir Bobby Charlton) vs. „Ich glaube Messi ist der beste der Welt. Er hat eine spezielle Magie und ist ein größerer Teamplayer als Cristiano“ (Cesar Luis Menotti) – auf beiden Seiten befinden sich eine Menge Stars und Größen des Weltfußballs, die nach ihrer Meinung gefragt wurden. Fakt ist: Keiner bestreitet die außergewöhnliche Klasse der beiden. Am Ende entscheiden oft Kleinigkeiten wie Philosophie, persönliche Präferenzen oder Verbundenheit über die Neigung zu einem der beiden Ausnahmekönner. Viel wichtiger ist nun das Aufwiegen der vorwiegend haltlosen Debatten in sozialen Medien, die ein solch verbrauchtes Thema, wie dem Vergleich zwischen zweier Weltgrößen, erst wieder Leben einhauchen. Der heute anstehende „El Clásico“ gibt diesen Diskussionen, ebenso wie diesem Artikel erneut eine Plattform.

Grundlegend teilt sich das Spiel in drei Lager auf. Beginnend mit jenen beiden, die entweder auf Seiten Cristianos oder auf derer Lionel Messis stehen. Ebenso wie der Autor, ziehen auch sie Erfolge auf Klub- sowie Nationalmannschaftsebene heran, verweisen auf unterschiedlichste soziale Projekte und versuchen sich als Hobby-Scouts, die verstehen möchten, weshalb die Stärke des Einen, den Anderen denunziert. Ausufernd in Beschimpfungen, Argumenten ohne weiterführende Grundlage sowie schier undurchlässigen Fan-Brillen-Streitigkeiten geht man sprichwörtlich der Gegenpartei an die virtuelle Gurgel und versucht seinen Standpunkt so selbstverständlich wie irgend möglich zu vertreten. Die letzte Partei stellen jene, die zwar den Nagel weitestgehend auf den Kopf treffen, dennoch einfach nur die diplomatische Antwort suchen, um weder dem einen noch dem anderen Fanlager auf die Füße zu treten. Freilich sollte man froh darum sein, in einer Zeit leben zu dürfen, in der diese beiden Weltstars über das Grün sprinten und unvergessliche Momente am Fließband produzieren. Auch mit einer Unvergleichbarkeit ist, wie oben dargelegt, die stressvermeidende Lösung gefunden. Am Ende liegt es jedoch nicht an der Position, welche die beiden differenziert, da diese oftmals exakt dieselbe ist – wenn auch gespiegelt. Auch die „Talent-vs-Arbeit“-Karte wird allzu gern gespielt, welche zwar in der Wurzel zutreffen mag, jedoch keinerlei Einfluss auf das finale Ergebnis liefert. Die Interpretation des Spiels ist der eigentliche Ansatzpunkt, welcher Messi und Ronaldo grundverschieden erscheinen lässt.

Der Hauptgrund, weshalb die beiden erst verglichen werden, ist zum einen die Rivalität ihrer beiden Klubs, zum anderen die ähnlich gelagerten Titel – neben der Tatsache, dass sie mehrere Stufen über allen anderen Spielern ihrer Generation stehen. Darüber hinaus entflammt die Mediengier zusätzlich das Drama innerhalb einer Szene, die voll von Emotionen und Ereignissen ist, welche das Thema auf eine permanent kippende Schiffschaukel stellen. Wir alle wollen aufgrund von Aktionen, die jeder schlicht weg versucht medial zu interpretieren, wissen, wie es in den beiden aussieht. Jeder möchte Recht behalten, Follower des Weltbesten zu sein. Am Ende ist es genau dies, was den Sport in der Basis so besonders macht – Ergebnisoffenheit und Emotionen. Somit ist in diesem Streitfall die Diplomatie mehr als nur ein schüchterner Sachverständiger, der versucht Konfrontationen zu vermeiden. Am Ende ist der neutrale Standpunkt bzw. die Gewichtung in verschiedenen Aspekten des Spiels der Kanal, der gewissen Tendenzen das Recht zur Erhaltung bietet. Eine universelle Aussage zu treffen ist allein durch die Struktur eines der komplexesten Spiele der Welt nicht möglich, da es mehr als nur eine Facette zu betrachten gibt und ein „kompletter Fußballer“ in die verschiedensten Richtungen interpretiert werden kann. Ist er nun komplett, weil er als Angreifer die Defensive unterstützt, oder weil er mit sämtlichen Körperteilen filigran und effizient treffen kann? Ist seine mentale Wahrnehmung, das sich permanent verändernde Spiel in Bruchteilen einer Sekunde zu lesen und interpretieren, eine Fähigkeit, die ihn in jeder Szene perfekt erscheinen lässt?  Die Subjektivität der jeweiligen Extreme bilden einen Interpretationskanal, bei dem eine Ausuferung zugunsten „CR7“ der Wahrheit ebenso wenig nah liegt, wie die Positionierung im gespiegelten Szenario.

Abschließend soll noch eine Einschätzung zur immer wieder aufkeimenden Debatte über die Synergien zwischen Messi und Ronaldo abgegeben werden, würde man sie gemeinsam in einem hypothetischen Team platzieren. Hier soll ein, auf reiner Theorie basierender, Vergleich die Situation verdeutlichen, da dieser im Kontext gleich gelagert ist, weshalb der Autor die nachfolgende Meinung vertritt: Mit Messi und Ronaldo würde es sich ähnlich wie mit Maradona und Pelé verhalten. Auch hier wird und wurde über eine Bevorzugung diskutiert. Parallel zu den beiden Altstars, würde Messis Bescheidenheit, Verantwortungsbewusstsein und spielerisches Genie (vgl. Pele) der individuellen Klasse, dem Torhunger sowie der universellen Präsenz eines Cristiano Ronaldo (vgl. Maradona aufgrund der Selbstdarstellung und dem individuellen Fokus) eine Basis geben, auf der großartiger Fußball entstehen kann – in der Theorie. Freilich fließen zudem verschiedenste Faktoren zusätzlich mit ein – deswegen sei hier nur der rein spielerische Ansatz erwähnt.

Zum Ende bleibt auch die in diesem Artikel gezogene Linie eine subjektive, da die bereits angesprochene Komplexität des Spiels und der Diversifikation an Spielphilosophien und Präferenzen universelle Begleiter des Sports und des menschlichen Wesens sind. Im Vorfeld des „El Clásico“ sind wiederholt alle Augen auf die beiden Aushängeschilder des Weltfußballs gerichtet – Ronaldo vs. Messi geht in die nächste Runde – oder bleiben wir bei Barca vs. Real?

 

 

Bildquellen: GSN // TheDemocraticBuzzer // tribuna.com // digiday

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