Es klingt wie eine märchenhafte Story, doch was Aymen Barkok in den letzten Monaten erlebte er wovon er immer geträumt hatte. Lange Zeit hatte es gebraucht, ehe er trotz seiner technisch starken Veranlagung und guten Spielen in den Jugendmannschaften ein Thema für den Profikader wurde. So absolvierte Barkok noch die ersten zehn Partien in der A-Jugend Bundesliga, bis das Spiel Ende November in Bremen bei den Profis alles veränderte.

Aufgewachsen ist Aymen Barkok in der Frankfurter Nordweststadt, in einer Wohngegend aus der sonst nur Frankfurter Straßenrapper kommen. Doch den jungen Mann mit marokkanischen Wurzeln verschlug es nie in die Musikszene. Sein Leben spielte sich schon immer auf dem Fußballplatz ab. Schon in seiner Kindheit war Barkok mit seinen Freunden jeden Tag auf dem Bolzplatz anzutreffen. Ein echter Straßenkicker, wie es sie heute kaum noch gibt, eben. Auch heute merkt man dem am 21.05.1998 geborenen jungen Mittelfeldspieler bei seinem Spielstil seine Zeit auf den Höfen im Frankfurter Norden an. Dribbelstark, mit großer Physis ausgestattet und starker Spielübersicht. Auch wenn dieser Vergleich ein wenig zu hoch ist, von den Anlagen her bringt Aymen Barkok alles mit was auch sein Vorbild Zinedine Zidane auszeichnete.

Unterwegs als Talent

Über die SG Praunheim, dem Verein aus dem Frankfurter Stadtteil in dem er aufwuchs, ging es für ihn mit elf Jahren zu Rot-Weiß Frankfurt. Beim Club in dem auch schon Frankfurts Abwehrlegende Alexander Schur und Jürgen Klopp in der Jugend im Einsatz waren spielte der heute 18-jährige bis zur C-Jugend. Auch dort war er technisch der wohl beste Spieler in der Gegend. So war es auch wenig verwunderlich das die größeren Vereine aus der Umgebung ihr Interesse an Barkok anmeldeten. Zwar war auch der damalige Zweitligist FSV Frankfurt interessiert, doch er entschied sich für den Wechsel zum Traditionsverein Kickers Offenbach. Mit 15 Treffern schoss er die Offenbacher beinahe im Alleingang in die höchste Spielklasse, die Regionalliga.

Kurz darauf folgte die erstmalige Einladung des DFB zur U-16 Nationalmannschaft, wo er gegen Frankreich sein erstes Länderspiel absolvierte.Spielerisch entwickelte sich der damals schon groß gewachsene Spieler ebenfalls weiter und nach zwei Jahren in Offenbach, klopfte, folgerichtig nach starken Jahren am Bieberer Berg die Frankfuter Eintracht an.Vor einiger Zeit noch hätte, vor allem bei den Profis, ein Wechsel von einem Spieler des OFC zu Eintracht Frankfurt hohe Wellen in der Mainmetropole geschlagen. Doch seit dem die beiden Vereine wirtschaftlich, wie auch sportlich einige Klassen trennen ist diese Rivalität deutlich abgeebbt und so ging es für Aymen Barkok wieder einige Kilometer westlich zur Eintracht.

Nicht alles läuft nach Plan

Doch aller Anfang bei Eintracht Frankfurt war schwer. Nach seinem Wechsel stand er bei der in der B-Jugend Bundesliga spielenden Eintracht, die ersten 15 Partien überhaupt nicht im Kader. Als es aber immer mehr in Richtung Abstiegskampf ging, verbuchte auch Barkok seine ersten Einsätze. Gegen Nürnberg gelang ihm, obwohl es sein einziges Spiel als Einwechselspieler war, sein erster und einziger Saisontreffer. Es folgten seine ersten beiden Partien in der U-17 Nationalmannschaft gegen die Schweiz und Bulgarien. In den letzten Spielen der Saison 2013/2014, wie auch im folgenden Jahr wurde Barkok trotz technisch starker Veranlagung meist auf der Position des Rechts- oder Innenverteidigers eingesetzt – wenn er denn überhaupt ran durfte. Schließlich standen auch hier wieder nur neun magere Einsätze am Ende der Saison auf seinem Statistikbogen.

Bei den A-Junioren angekommen traf er auf Alexander Schur, der fast dieselben Karriestationen durchlaufen hatte bis zu diesem Zeitpunkt wie Aymen Barkok. Die Saison begann er als Abwehrspieler, doch je weiter die Saison fortschritt umso offensiver wurde nicht nur seine Spielweise, sondern auch seine Position. Am Ende rettete sich die Eintracht gerade noch so vor dem Abstieg, auch weil der junge Aymen zum richtigen Zeitpunkt traf im wichtigen und vorentscheidenden Duell gegen Heidenheim. In dieser Saison bestritt er auch noch acht Spiele in der A-Junioren Bundesliga. In diesen gelangen ihm zwei Tore und zwei Vorlagen. Danach unterschrieb er, Ende Oktober, seinen Profivertrag bei der Eintracht.

Momente die man nicht vergisst

Es läuft die Nachspielzeit in der Bundesliga-Partie zwischen Eintracht Frankfurt und Werder Bremen Ende November. Der junge Aymen Barkok schnappt sich, eine Viertelstunde vorher erst eingewechselt, in seinem ersten Bundesliga Spiel beim Stand von 1:1 den Ball vor dem Strafraum der Bremer, lässt Max Kruse ins Leere laufen und trifft mit seinem schwächeren linken Fuß genau ins linke unter Eck des Tores. Die Freude beim Youngster und dem Frankfurter Team ist riesig. Aymen Barkok kannten selbst in Frankfurt wohl nur die wenigsten, doch mit diesem Tor zum Sieg ändert sich alles. Er ist angekommen, dort wo er immer hin wollte – Vom Bolzplatz in die Bundesliga.

Es folgten drei weitere Einwechslungen in den Schlussphasen der Bundesliga Spiele, bis im Heimspiel beim Derby gegen Mainz wieder der 18-jährigen zum Helden wurde. Die Eintracht führte 1:0 und fünf Minuten nach seiner Einwechslung in der 70. Minute legte Barkok, voller Selbstvertrauen einen Sololauf an drei Gegenspieler und dem Mainzer Torhüter Lössl vorbei, hin, wie man es bis dahin selten von solch jungem Spieler gesehen hatte. Als er kurz vor dem Ende wiederum nach einem Dribbling den Kopf oben behielt und den besser postierten Branimir Hrgota vor dem Tor sah der zum 3:0 traf waren auch alle Zweifel verflogen das Barkok ja nur einer sei der nur dribbeln könnte und nicht den besser stehenden Mitspieler sieht.

Reicht das aus?

Seitdem Gala-Auftritt gegen Mainz wurde der Deutsch-Marokkaner, der sich noch für keines der beiden Länder international entschieden hat, zweimal eingewechselt und stand in drei Partien in der Startelf beim Team von Trainer Niko Kovac. Im Spiel gegen Hertha BSC kam er erstmals seit Anfang Dezember nicht mehr zum Einsatz in der Bundesliga, dafür folgten zwei Einsätze gegen Bielefeld und Freiburg.

Die Zeit für Aymen Barkok in der A-Jugend scheint endgültig abgehakt. Doch beweisen muss sich der 18-jährige weiterhin noch. Doch die Zeit des Dribblers wird noch kommen. Denn im Gegensatz zu seiner Zeit in der Jugend als er als eher faul galt, hat er diese Zeit längst überwunden. Dabei gilt es für ihn erst einmal seine Position zu finden im Team der Frankfurter Eintracht. Trotz seiner Polyvalenz ist er kein klassischer Box-to-Box Spieler. Auch eine Außenposoition scheint durch seinen robusten Körper und gute Größe nicht das Richtige für Ihn zu sein. So wird Barkok am ehesten die Rolle auf der zentralen Position im Mittelfeld mit einem Partner an seiner Seite mehr liegen. Wichtig wird trotz allem sein das er sich nicht zu sehr auf sein Dribbling verlässt, sondern sich erst einmal an die einfachen Dinge hält. Schafft Aymen Barkok diesen Spagat zwischen den verschiedenen Eigenschaften, die ihn gewiss auszeichnen, dann steht einer Karriere in des Bundesliga nur wenig im Wege.

 

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