Branchenprimus FC Bayern hat auf die in den letzten Jahren viel zu geringe Durchlässigkeit seiner Nachwuchstalente in Richtung Profikader reagiert. Auch personell. 2016 beispielsweise holten die Münchner Alexander Moj, Jahrgang ‚88’ und seit seinem 26. Lebensjahr Inhaber der A-Lizenz, aus Augsburg. Er hat die Verantwortung für die U14 – arbeitet also an der Schnittstelle zwischen unbekümmertem Spaß und leistungsorientierter Ausbildung. Frank Schneller von der Medienmannschaft sprach mit dem begabten Jungcoach.

Einigkeit allenthalben: Julian Nagelsmann, der Hoffenheimer Erfolgscoach, ist ein Ausnahmetalent unter den jungen Fußball-Trainern der Gegenwart. Ein Paradebeispiel seiner Zunft. Aber er ist nicht der einzige Hochbegabte der neuen Trainergeneration. Da wäre, wie Insider meinen, zum Beispiel Alex Moj (29), der U14-Trainer des FC Bayern. Sein Wechsel vom FC Augsburg zum Weltverein aus München sorgte für Aufsehen und sogar für Wirbel – Ausdruck seines Standings. Auch, dass etliche Eltern ihre Kids mit ihm zu den Bayern schickten, damit Moj sie dort weiter betreuen und ausbilden kann. Viele von ihnen hatte er schließlich seit ihrem sechsten Lebensjahr trainiert.

Seine Jungs spielen – äußerst erfolgreich – in der sogenannten NLZ-Förderrunde, einer regional unterteilten Bundesliga für U14- und U15-Teams (C-Jun.), wenn man so will. Die größten Rivalen sind der 1. FC Nürnberg, 1860 München und sein ehemaliger Klub, der FC Augsburg. Alexander Moj geht in seiner Aufgabe auf, ist beseelt von seinem Auftrag. Und besonders akribisch. Viel Zeit für andere Dinge bleibt da nicht mehr. Für das folgende Interview aber immerhin doch.

Herr Moj, Sie sind einst ‚Schüler’ von Thomas Tuchel gewesen. Wie viel von ihm steckt in Ihnen? Gibt es in Ihrer Philosophie Anleihen?

Schüler wäre etwas übertrieben, aber er war zu der Zeit, als ich in der U17 beim FC Augsburg spielte, in der U19 und anschließend in der U23 als Trainer aktiv. Dementsprechend gibt es aus dieser Zeit relativ wenige Schnittmengen. Zum einen natürlich, weil sich die Art und Weise des Spiels sicher verändert hat, aber auch weil ich denke, dass jeder Trainer seine eigene Philosophie mitbringt bzw. spielen lässt. Dennoch sind natürlich auch Parallelen zu erkennen, vor allem in puncto Variabilität.

Wenn sie auf Emporkömmling Julian Nagelsmann blicken: Erkennen Sie sich in dessen Werdegang wieder? Sind Sie so eine Art’ Nagelsmann 2.0’?

Es gibt sicher einige Parallelen, vor allem aufgrund der Herkunft – auch er war ja in Augsburg tätig –, dennoch kann man den sportlichen Werdegang nicht vergleichen. Julian Nagelsmann ist als Trainer direkt in den Großfeldbereich eingestiegen und hat vor allem in diesem Bereich viel mehr Erfahrungen sammeln können. Auch in puncto Trainerlizenzen ist er mir natürlich durch die ‚Fußballlehrerausbildung‘ einen großen Schritt voraus. Er hat vor allem mit der U19 bei der TSG 1899 Hoffenheim große Erfolge gefeiert und mittlerweile in seinen jungen Jahren gezeigt, dass er dies im Profibereich ebenso umsetzen kann. Natürlich dient jedem jungen Trainer die Laufbahn bzw. der Werdegang und Aufstieg von Julian als eine Art Blaupause. Ihn selbst aber zu kopieren wäre der falsche Ansatz. Vor allem die eigene Authentizität zu bewahren ist meiner Meinung nach extrem wichtig. Deswegen ist die Bezeichnung Nagelsmann 2.0. etwas weit her.

Wie sah denn Ihr Weg bis hierher aus?

Bei mir ist die Trainerlaufbahn etwas anders verlaufen. Mit 18 Jahren habe ich bereits als Co-Trainer in der U16 beim FC Augsburg anfangen dürfen, danach als Co-Trainer der U15. Anschließend habe ich die einzelnen Teams der U8 bis U14 als Cheftrainer durchlaufen und konnte somit – was ich als sehr wichtig empfinde – in den unterschiedlichen Altersklassen meine Erfahrungen sammeln.

Braucht der moderne Fußball Trainer, die die Sprache der Kids, Jugendlichen und jungen Männer spricht? Der weiß, was Social Media ist? Wie man twittert? Der Selfies macht? Oder sind traditionellere Werte immer noch wichtiger im Umgang mit jungen Spielern?

Das allerwichtigste ist – wie vorher schon erwähnt – authentisch zu sein. Jeder Trainer hat seine eigene Persönlichkeit und seine eigenen Umgangsformen mit den Spielern. Einen goldenen Weg gibt es hier nicht, jeder Trainer muss für sich rausfinden, welcher der richtige für ihn ist und dabei immer ehrlich gegenüber den Spielern sein. Dennoch glaube ich, dass eine gewisse Affinität zu den sozialen Netzwerken und den modernen Medien unabdingbar ist bzw. in den kommenden Jahren sein wird. Zum einen kann man die Fortschritte der Technologie für den Trainings- und Spielbetrieb nutzen, zum anderen hilft es aber auch dabei, die Jugendlichen und jungen Männer in ihrem Verhalten zu verstehen. Vor allem im Jugendbereich ist es sehr wichtig, ein vertrauensvolles Verhältnis zu seinen Spielern zu haben, dementsprechend auch zu wissen mit welchen Einflüssen sie klarkommen müssen. Die Spieler müssen sich – vor allem in jungen Jahren – wohlfühlen, um ihr optimales Leistungsvermögen ausschöpfen zu können.

Und die eher traditionellen Werte?

Die sollten keinesfalls vernachlässigt und ersetzt werden. Grundtugenden wie Ehrlichkeit, Loyalität, Leidenschaft sollten von jedem Trainer eingefordert und natürlich auch selbst vorgelebt werden – wie alles, was man von seinen Jungs verlangt. Die Spieler sollen neben den genannten Tugenden niemals die Liebe, Leidenschaft und vor allem den Spaß an ihrem Sport verlieren. Eine ganz entscheidende Aufgabe eines Trainers ist es, neben der sportlichen Ausbildung, die Spieler – vor allem im Jugendbereich – in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen. Deswegen ist es wichtig die vielen externen Einflussfaktoren der sozialen Medien zu verstehen und mit den Spielern offen darüber zu sprechen, was gut und was schlecht ist. Aus diesem Grund ist es schwer davon zu sprechen was wichtig(er) ist. Die Kunst eines Trainers ist es, traditionelle und modere Faktoren optimal zu verknüpfen und dabei stets authentisch zu bleiben.

Teamgeist, taktisches Konzept, Hierarchie, Social Skills usw.: Glauben Sie, es ist ein großer Unterschied, ob man eine Nachwuchstruppe aufzubauen hat oder eine Profitruppe? 

Ich denke es ist ein großer Unterschied mit Nachwuchsspielern zu arbeiten oder mit Profis und Erwachsenen. In der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen bzw. Heranwachsenden sind Pädagogik, Erziehung und Feingefühl viel wichtiger. Natürlich ist es im taktischen Bereich deutlich einfacher, einem erwachsenen Profi Dinge zu vermitteln, da dieser bereits viel Erfahrung gesammelt und verschiedene Trainer in seiner Laufbahn erlebt hat. Dies kann allerdings gleichzeitig ein Nachteil sein. Bestimmte taktische und technische Dinge sind evtl. bereits eingeschliffen und nur schwer rauszubekommen bzw. zu verändern. Bei einem Jugendspieler ist die Vermittlung der Lehrinhalte deutlich einfacher, da sie noch nicht so ‚festgefahren‘ sind und offen für neue Einflüsse und Anreize. Allerdings kann man in den ganz frühen U-Bereichen thematisch in einigen taktischen Bereichen nicht so sehr in die Tiefe gehen wie bei einem Profi. Welche Aufgabe schwerer oder einfacher ist – das lässt sich nicht eindeutig beantworten.

Ihre Trainerlaufbahn verläuft geradlinig und stringent: Sie sind offensichtlich sehr zielstrebig und fokussiert. Haben Sie nach dem verletzungsbedingten Ende Ihrer aktiven Laufbahn sofort beschlossen: Okay, dann werde ich eben Trainer?

Ja, ich bin allgemein ein sehr ehrgeiziger und zielstrebiger Mensch, der das natürlich auch in jeder Einheit und in jedem Wettkampf von seinen Spielern einfordert. Nach etlichen Verletzungen in der Jugend habe ich nach meinem Abitur ein freiwilliges soziales Jahr im Sport – beim FC Augsburg – absolviert und dabei den ersten Trainerschein machen dürfen. Gleichzeitig konnte ich in verschiedenen U-Mannschaften hospitieren und meine Erfahrungen machen. Mir war dann sehr schnell klar, dass mir das sehr viel Spaß macht. Daraus wurde dann schnell eine Leidenschaft, die ich nicht mehr missen möchte. Klar: Als junger Spieler hatte auch ich das Ziel, Fußballprofi zu werden, aber im Nachhinein bin ich sehr froh und dankbar, diesen Weg gegangen zu sein. Ich versuche mich natürlich stetig zu verbessern und weiterzuentwickeln, das ist mein Anspruch an mich selbst – aber auch an meine Spieler. Es macht einfach unglaublich viel Spaß, die Jungs in ihrer Entwicklung zu beobachten und diese zu begleiten. Und hoffentlich einen Teil dazu beizutragen, dass sie irgendwann ihren Traum verwirklichen können oder – falls das nicht klappt – eine super Zeit und Ausbildung genossen zu haben. Sportlich und pädagogisch!

Die besten Coaches, so heißt es in vielen Sportarten, sollten eigentlich im Nachwuchsbereich tätig sein, da sie dort am meisten gebraucht werden. Sie gelten als sehr guter Trainer – insofern profitiert der Fußballnachwuchs von davon. Aber, Hand aufs Herz: Wollen sie im Nachwuchsbereich bleiben – oder streben Sie nach einem Job im Männerbereich, in der Bundesliga? Ist der Job im Jugendbereich ein Sprungbrett für Sie? Oder Passion? 

Das sehe ich im Grunde genauso – die besten Trainer werden im Nachwuchs benötigt. Dort werden die Grundlagen ausgebildet und der Grundstein für eine eventuelle Karriere gelegt. Es macht mir unglaublich viel Spaß, im Nachwuchs zu arbeiten, die Entwicklung der Jungs voranzutreiben und sie auf eine mögliche Profikarriere optimal vorzubereiten. Aber klar ist auch, dass es der Traum fast aller Trainer ist, genauso wie auch der Spieler, irgendwann in den Profibereich zu kommen, es in die Bundesliga zu schaffen. Diesbezüglich setze ich mir aber keine Fristen oder Zeitpunkte. Ich bin absolut zufrieden mit der Arbeit im Nachwuchs und könnte mir momentan nichts Schöneres vorstellen. Dementsprechend würde ich sagen, dass es definitiv meine Passion ist, ich natürlich aber den Traum habe, irgendwann als Profitrainer arbeiten zu dürfen.

Wie wichtig sind die Eltern im Umfeld der Jugendmannschaften? Welche Rolle spielen diese für Ihre Arbeit? Wie gefährlich sind zu ehrgeizige Erziehungsberechtigte? Gibt es da mitunter Konflikte?

Die Eltern sind natürlich sehr wichtig für junge Menschen, dementsprechend auch für die Jugendspieler und die Jugendmannschaften. Die Schwierigkeit im Nachwuchsfußball ist es, das Umfeld der Spieler stets zu berücksichtigen. Die Kinder kommen teilweise aus verschiedensten soziokulturellen Umfeldern und sind natürlich dementsprechend in ihrem Verhalten geprägt. Dies zu berücksichtigen und einschätzen zu können ist extrem wichtig, aber auch schwierig für Jugendtrainer. Natürlich muss man sich auch mit den Eltern auseinandersetzen, da die Spieler im Nachwuchs noch nicht volljährig sind und die Eltern die Hauptverantwortung haben. Die schwierigste Aufgabe ist es eben, einen Mittelweg aus Kommunikation und Abstand zu finden.

Das bedeutet?

Einerseits muss man die Eltern mitnehmen, aber auch einen gewissen Abstand halten, um die Entwicklung der Jungs optimal zu fördern. Leider gibt es oftmals Eltern, die zu ehrgeizig bzw. überehrgeizig sind und ihren Traum durch und in ihren Kindern wiederleben. Die Jungs heutzutage erleben sowieso von allen Seiten einen extremen Erfolgsdruck – Eltern, Schule, Verein, Freunde. Noch mehr Druck ist da nicht hilfreich. Man muss den Eltern und Spielern vermitteln, dass zu großer Druck sogar schädlich ist. Kommunikation ist dabei von großer Bedeutung!

Ausbilder oder Erfolgscoach? Sie sind nach Ihrem Wechsel von Augsburg zum FC Bayern Trainer im Stab eines Weltvereins. Sie bekamen den Job, weil Sie 1.) sehr erfolgreich in Augsburg gearbeitet haben und einen guten Ruf genießen – und 2.) weil Ihr Vorgänger in München keine Erfolge lieferte. Also wird auch schon bei den Kleinen darauf geachtet, dass sie Spiele und Meisterschaften gewinnen. Ist ja der große FC Bayern. Was bedeutet das für Sie? Sollen Sie Ausbilder sein, die Jungs individuell und taktisch sukzessive verbessern und auf den Erwachsenenbereich vorbereiten – oder werden Sie an Ergebnissen gemessen?

Es ist natürlich eine große Ehre bei einem der größten und besten Vereine der Welt im Nachwuchs arbeiten zu dürfen und mein Hobby zum Beruf zu machen. Unweigerlich ist das öffentliche Interesse beim FC Bayern deutlich größer als beim FC Augsburg oder sonst irgendwo in Deutschland. Der Druck, Ergebnisse und Meisterschaften zu liefern, kommt weitestgehend von außen und ist keine Vorgabe des Vereins selbst. Wir versuchen die Spieler sukzessive in den verschiedenen Bereichen weiterzuentwickeln und an den Profibereich heranzuführen. Die Arbeit der Trainer wird hier keinesfalls nur an Ergebnissen und Titeln gemessen, sondern viel mehr an der täglichen Trainingsarbeit, am Umgang mit den Menschen und Spielern im Club und an der sportlichen und charakterlichen Entwicklung der Spieler.

Und die Resultate?

Klar ist aber auch, dass ich Spieler ausbilden will, die gewinnen wollen, denen das wichtig ist. Die Jungs sollen den Anspruch an sich selbst haben bzw. diesen Anspruch entwickeln, jedes Trainings- und jedes Punktspiel für sich zu entscheiden! Denn Siegermentalität ist extrem wichtig, um dann – hoffentlich – irgendwann in den Profibereich zu kommen. Natürlich erwarten neutrale Beobachter immer, dass der FC Bayern alles gewinnt, jedes Turnier, jede Meisterschaft, doch darauf kommt es in der Nachwuchsarbeit nicht an. Die Hauptaufgabe liegt darin, die Jungs optimal in allen Bereichen weiterzuentwickeln – schlussendlich folgen die Ergebnisse dann von selbst.

Wie also definieren Sie ‚Erfolg‘ im Nachwuchsbereich bzw. bei der Talentförderung?

Ganz einfach: Je mehr Spieler es in den Profibereich schaffen – egal wo –, desto besser ist bzw. war die Ausbildung! Das oberste Ziel ist es, so viele Spieler wie möglich in den professionellen Bereich zu bringen. Des Weiteren ist es wichtig, eine duale Ausbildung zu gewährleisten. Denn klar ist: Es schaffen nur die wenigsten Spieler Profi zu werden. Für die anderen ist es wichtig ein zweites Standbein zu haben.

Was wird aus Jungs, die nicht mithalten können? Die es nicht schaffen? Wo und wann hört die Verantwortung für diese Burschen Ihrer Meinung nach auf in unserer Leistungsgesellschaft? 

Natürlich ist es in einem Nachwuchsleistungszentrum – wie der Name schon sagt – wichtig, Leistung zu bringen und Leistungsbereitschaft an den Tag zu legen. Selbstverständlich gibt es in der Entwicklung von Menschen und insbesondere von Kindern und Jugendlichen Leistungsschwankungen, die berücksichtigt werden müssen. Die Verantwortung ihnen gegenüber ist natürlich hoch, dementsprechend ist es auch wichtig, den Jungs ein ehrliches Feedback über ihr Leistungsvermögen und ihre Entwicklung auf und neben dem Platz zu geben. Und wenn das eben heißt, dass es nicht mehr ausreicht, ist es die Pflicht eines guten Trainers, den Jungs eine ehrliche Einschätzung zu geben.

Welche Reihenfolge? Talent. Ehrgeiz. Teamfähigkeit. 

1. Ehrgeiz. 2. Talent. 3. Teamfähigkeit.

Talent ist wichtig. Aber Persönlichkeit und Ehrgeiz, also die Motivation und Einstellung sind entscheidende Faktoren auf dem Weg zum Profi.

Apropos ‚Persönlichkeit’: Wen mögen Sie lieber? Das Schlitzohr oder den Musterschüler? 

Ich persönlich möchte eher das Schlitzohr, da diese Spielertypen auf dem Platz für die gewissen Momente sorgen können. Doch auch das Schlitzohr muss in der Trainingsarbeit und in Bezug auf seinen Trainingsfleiß den selben Enthusiasmus und Ehrgeiz an den Tag legen wie der ‚Musterschüler‘. Allerdings kann man das nicht pauschal festlegen, jeder Spieler ist unterschiedlich und das ist auch gut so. Man muss eben mit verschiedenen Persönlichkeiten unterschiedlich umgehen und versuchen, auf unterschiedliche Weise das Bestmögliche aus allen herauszuholen. Das ist ja auch die reizvolle Aufgabe eines Trainers und Pädagogen.

Sind Sie selbst noch aufgeregt vor Spielen? Falls ja: Dürfen die Kids das mitbekommen – oder besser nicht?

Klar – eine gewisse Anspannung und Aufregung ist extrem wichtig, um sich mit der nötigen Spannung und Einstellung in ein Spiel zu gehen. Natürlich versuche ich, dass die Spieler das nicht mitbekommen, sie sollen aber sehen, dass dem Trainer jedes Spiel wichtig ist und das will ich auch vor und in jedem Spiel vermitteln. Die Spieler merken natürlich auch wenn ein Trainer aufgeregt ist was aber meiner Meinung nach nicht schlimm ist. Wichtig dabei ist eben wieder mal: authentisch zu sein!

Wie ist es, mit Autoritäten wie Uli Hoeneß oder Originalen wie Hermann Gerland – er übernimmt ja das Nachwuchszentrum – zusammenzuarbeiten bzw. diese in Ihrem Umfeld zu wissen? 

Es ist natürlich fantastisch mit solch erfahrenen und erfolgreichen Menschen, die den Club aufgebaut haben und die Jugendarbeit über Jahre entscheidend mit geprägt haben, zusammenzuarbeiten. Ich versuche natürlich so viel wie nur möglich, von deren immenser Erfahrung aufzusaugen und mitzunehmen. Vor allem diese riesige Erfahrung, die sie mitbringen, ist in dieser Fülle im Fußball sicher einzigartig.

Herrscht in München ein anderes Flair als in Augsburg?

Sicher herrscht in München ein anderes Flair als in Augsburg oder sonst irgendwo in Deutschland. Es ist natürlich alles etwas größer als beispielsweise in Augsburg. Auch im Mitarbeiterstab sind etliche Personen, die auf eine Profikarriere zurückblicken können und von denen man einiges mitnehmen und lernen kann.

Wie gehen Sie mit den Anfeindungen und dem Neid um, der Ihnen und vor allem ihren Jungs sicher entgegenschlägt, weil Sie der große FC Bayern sind? Jeder will Sie schlagen, wie bei den Großen auch.

Das ist natürlich ein riesen Unterschied zu anderen Vereinen. Die Jungs beim FC Bayern sind einem enormen Druck von außen ausgesetzt. Jeder will gegen Bayern spielen und gewinnen, viele wünschen sich dass Bayern verliert. Natürlich gibt es Anfeindungen und Vorurteile gegen Spieler des FC Bayern.

Ist das schon eine Art Willensschule?

Ja, es ist tatsächlich eine gewisse Willens- und Charakterschulung, mit dieser Situation selbstreflektiert umzugehen. Die Jungs müssen das schon früh lernen, was für ihre Persönlichkeitsentwicklung sicher kein Nachteil ist. Charakterlich werden die Jungs dadurch nur stärker und gefestigter. Für uns Trainer ist es eben wichtig, die Spieler zu sensibilisieren und ihnen zu erklären, was auf sie zukommt und wie sie damit umzugehen haben bzw. wie sie das einschätzen sollen. Für die Spieler selbst ist es natürlich ein großer Unterschied, beim FC Bayern zu spielen oder gegen den FC Bayern. Viele kommen mit diesem Druck, der von Jahr zu Jahr steigt ,nicht klar und scheitern deshalb. Daher sind Persönlichkeit und Charakter ganz entscheidende Faktoren, die beim Scouting und in der Ausbildung berücksichtigt werden müssen.

Schon im Jugendbereich sind Berater am Werk, werden Handgelder bezahlt – auch an die Eltern –, um Transfers zu generieren. Verdirbt Geld den Charakter?  Und wie steuert man bei jungen Menschen gegen? Zumal sie auch das Gefühl haben könnten, bereits etwas geschafft zu haben in dem Moment, in dem sie bei Bayern München landen.

Berater gehen immer früher an Spieler und deren Eltern ran, versuchen diese an sich zu binden – manchmal auch mit unsauberen Mitteln. Geld oder andere Zuwendungen in zu frühem Kindesalter können natürlich den Charakter verderben. Deswegen ist es umso wichtiger, dass der Verein und die Trainer die Spieler diesbezüglich sensibilisieren, ihnen Werte und Normen vorgeben und auch vorleben. Die Spieler sollen über intrinsische Motivation wie Liebe und Spaß zum Sport und dem Traum vom Fußballprofi angetrieben werden und nicht durch Geld oder Geschenke. Was wirklich zählt: Ehrlichkeit, Loyalität, Leistungsbereitschaft, Hilfsbereitschaft, Teamfähigkeit, Dankbarkeit, Demut und – besonders wichtig – die Fähigkeit zur Selbstreflektion. Sie ist ein entscheidender Faktor im Nachwuchsbereich um sich stetig zu verbessern.

Inwiefern?

Die Jugendlichen müssen lernen, sich und ihre Leistung einordnen zu können und sich nicht durch äußere Einflüsse irritieren zu lassen. Natürlich versuchen viele Personen, die sich eigenen Vorteile von jungen Talenten versprechen, den Jungs vorheucheln, sie hätten es bereits ‚geschafft‘, sie wären die ‚Besten‘ etc. Dies sind ganz gefährliche äußere Einflüsse, darum ist es sehr wichtig, den Kindern und Jugendlichen frühzeitig beizubringen, sich auch selbstkritisch zu hinterfragen und sich stetig weiterentwickeln zu wollen. Als Nachwuchstrainer ist es meine Aufgabe, den Jungs eine Art Werte-Kompass an die Hand zu geben und nicht nur auf fachliches Knowhow zu bauen.

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