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Analyse

Alex Iwobi: Der Neffe von Fußballgott Okocha

Es ist Sommer 1993 als Oliver Kahn, damals noch beim KSC, seinen wohl denkwürdigsten Gegentreffer aller Zeiten kassiert. Ein Tor, an welches sich noch heute jeder erinnert. Ein Tor, welches den Beginn einer Legende ankündigte. Mit einem Haken nach dem anderen vernascht Augustine Azuka Okocha nicht nur Oliver Kahn, sondern auch die gesamte Abwehr, ehe er den Ball lässig ins Tor schießt und dem Torhüter keine Chance lässt. Der Torschütze, von allen Fans Jay-Jay genannt, sagte damals zum späteren Tor des Jahres 1993: „Ich möchte auch mal normale Tore schießen, ein Schuss aus 30 Metern“. Wie gesagt, eine Legende eben….

Knapp 25 Jahre nach dem Treffer könnte man nun meinen, Okocha stünde wieder auf dem Platz, diesmal beim FC Arsenal. Der Spieler mit Rückennummer 17 bei den „Gunners“ erinnert nicht nur äußerlich, sondern auch spielerisch an den nigerianischen Fußballgott. Kein Wunder, handelt es sich doch um niemand geringeren als Okochas Neffen Alex Iwobi, welcher Tag für Tag daran arbeitet, selbst ein atemberaubender Fußballer zu werden.

Aus Nigeria an die Themse

Alex Iwobi wurde am 03.05.196 in Lagos, Nigeria geboren. Im Alter von vier Jahren verließ  Iwobi mit seiner Familie die Heimat und zog nach England. Bereits mit 8 Jahren begann er beim FC Arsenal Fußball zu spielen und durchlief seither sämtliche Jugendteams der „Gunners“. So genoss er in der hervorragenden Jugendakademie, welche zuletzt vom aktuellen Wolfsburg Coach, Andries Jonker, geleitet wurde, eine hochwertige fußballerische Ausbildung. Parallel dazu durchlief der heute 20-jährige die U16 bis U18 Nationalmannschaften der FA. Am 31.10.2015 gab er unter Arsène Wenger, der bekannt dafür ist, immer wieder junge Talente heranzuziehen, im Liberty Stadium von Swansea City, sein Premier League Debüt, als er für Weltstar Mesut Özil in die Partie kam. Seit diesem Zeitpunkt schaffte es das junge Talent seine Einsatzzeiten kontinuierlich zu steigern und schließlich zum Stammspieler zu reifen. Natürlich erkannte der FC Arsenal schnell das riesige Potential des zum aktuellen Zeitpunkt 10 Mio. Euro wertvollen Iwobi und so belohnte der Londoner Club ihn bereits 2015 mit einem langfristigen Vertrag bis zum 30.06.2020. Als Stammspieler schaffte er es in dieser Saison bereits auf 23 Premier League (3 Tore, 4 Assists), 5 Pokal (2 Assists) und 7 Champions League Spiele (1 Tor, 1 Assist) und ist damit auch zu Recht 9-maliger Nationalspieler Nigerias, in dessen Mannschaft Alex Iwobi bereits im Herbst 2015 debütierte.

Auf den Spuren seines Onkels

Nicht nur äußerlich ähnelt Alex Iwobi Jay-Jay Okocha. Auch spielerisch erinnert er durchaus an seinen Onkel. Der 1,80m große Rechtsfuß ist auf dem linken Flügel beheimatet, kann jedoch auch im zentralen Mittelfeld, dem rechten Flügel und als Spitze eingesetzt werden. Wie Onkel Jay-Jay verfügt auch er über eine brillante Technik, Schnelligkeit und einen unbändigen Spielwitz. Seinen schnellen Antritt, sowie sein hohes Maximaltempo schenken ihm viele Optionen. Eine Möglichkeit ist es, durch klug gewählte Laufwege entweder Räume für andere zu schaffen oder selbst in bereits Bestehende hineinzustoßen, um dort einen Schnittstellenpass seines Mitspielers zu empfangen und dann mit Tempo in Richtung Tor zu marschieren. Ist Iwobi erst hinter die letzte Verteidigungsreihe des Gegners gekommen, ist er kaum noch einzuholen. Eine andere Situation in der er seine Schnelligkeit einsetzen kann ist das eins gegen eins offensiv. Immer wieder wird der Nigerianer auf dem Flügel oder im Mittelfeld angespielt und kann dann durch eine sehr gute Ball An- und Mitnahme mit Tempo Richtung Tor dribbeln. Gepaart mit einem außergewöhnlichen Reichtum an Tricks ist sein Antritt selbst für die besten Verteidiger ein absoluter Alptraum und kann für gewöhnlich wenn überhaupt nur in Überzahl der Defensive gestoppt werden. Desweiteren bietet ihm seine grandiose Technik im Anschluss an ein Tempodribbling viele verschiedene Optionen. Hat er sich auf dem Flügel Richtung Grundlinie durchgespielt, kann er  den Ball entweder hart und flach auf den kurzen Pfosten oder in den Rückraum servieren oder den Ball mit viel Gefühl auf freistehende Mitspieler am langen Pfosten flanken.

Konnte die gegnerische Mannschaft es jedoch nicht verhindern, dass sich Alex Iwobi einen Weg ins Zentrum gebahnt hat, verfügt er auch hier über mehrere Möglichkeiten, die ihn brandgefährlich machen.

Variante 1: er steckt den Ball mit einem magischen Kontakt durch die Schnittstelle und bietet so einem Teamkollegen die Chance zum Abschluss in der Box. Variante 2: er nutzt seinen ordentlichen Torschuss und kreiert durch einen präzisen Schlenzer oder eine satten Vollspannstoß von außerhalb des Strafraums Torgefahr. Variante 3: hat er auf dem Weg vor den Strafraum bereits einige Gegenspieler stehen lassen, kommt es durchaus vor, dass er ganz im Stile seines legendären Onkels versucht, die gesamte gegnerische Abwehr auseinander zu nehmen und sich wie ein Slalomfahrer einen Weg direkt bis vor das Tor zu bahnen.

Seinen steilen Karriereweg mit vielen Einsatzzeiten und beachtlicher Marktwertsteigerung verdankt er aber nicht nur seinem technischen Können und der Schnelligkeit. Großen Anteil daran hat auch seine große Flexibilität, sowohl was Rotation während des Spiels, als auch die Fähigkeit, mehrere Positionen nominell spielen zu können, betrifft. Desweiteren hat er das Glück ins Wenger´sche System des FC Arsenal perfekt hineinzupassen. Die durch das Umschaltspiel geprägte Spielweise der „Gunners“ bietet Iwobi die Möglichkeit, seine technischen Fähigkeiten und seine Schnelligkeit ideal auszuschöpfen und dadurch auf sich aufmerksam zu machen.

Das ewige Problem von Hacke, Spitze, 1, 2, 3…

Bei genauem Hinsehen offenbart Alex Iwobi jedoch auch Schwächen. Hier ist zum einen sein Defensivverhalten zu erwähnen. Spielt er auf dem Flügel, so hat der hinter ihm positionierte Außenverteidiger immer wieder mit Unterzahlsituationen zu kämpfen und muss mehrfach auf den Nigerianer einreden, um ihn zur Defensivarbeit zu motivieren. Auch sein linker Fuß ist noch verhältnismäßig schwach im Vergleich zu seiner hervorragenden Technik mit Rechts. Jedoch ist diese Kritik absolut meckern auf hohem Niveau.

Deutlich entscheidender ist seine momentan noch mangelnde Torgefahr. Zwar ist er mehrfach an Toren beteiligt, drei Tore in 23 Premier League Partien sind aber für einen Offensivspieler noch deutlich zu wenig. Besonders sein Torabschluss ist häufig zu ungenau. Zwar schafft er es sich in torgefährliche Situationen zu begeben, jedoch lässt er diese noch zu oft liegen und wirkt generell zu hektisch im entscheidenden Moment. Jedoch ist nicht zu vergessen, dass der Neffe der afrikanischen Legende Jay-Jay Okocha gerade einmal 20 Jahre alt ist, weshalb man davon überzeugt sein kann, dass er diese Schwächen noch deutlich verringern und so noch wertvoller werden wird.

Bei Arsenal zur Legende?

Sein Vater sieht Alex Iwobi für viele Jahre beim FC Arsenal. Vielleicht kein dummer Gedanke, auch wenn bereits viele Vereine anklopfen und den jungen Mann verpflichten wollen, läuft es hier momentan doch wirklich gut für ihn. Desweiteren hat er mit Arsenal alle Möglichkeiten, die ein junges Talent braucht: Stars von denen er lernen kann, einen Trainer der auf ihn baut, ein Verein der sowohl national, als auch international in der oberen Region zu finden ist und viele Fans die ihn unterstützen. Von daher spräche eigentlich nichts dagegen, dass der Nigerianer sich hier zum Weltklassespieler und Nachfolger seines Onkels entwickeln kann. Einziger Haken: bleibt Arsène Wenger über die Saison hinaus und wer kommt, sollte er im nächsten Jahr nicht mehr Trainer der „Gunners“ sein. Ein Phänomen, welches jungen Spielern öfters Probleme bereitet. Doch bisher bringt Alex Iwobi alles mit was man als Topspieler benötigt. Man darf sich also auf viele Kunststücke des Nigerianers freuen.

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