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Luca Waldschmidt

Analyse

Gian-Luca Waldschmidt – Wenn du in deiner Karriere nur ein Tor schießen könntest…

In Zeiten der Relegation werden Helden geboren. Das weiß der HSV nur zu gut. Dass man dieses Jahr zur Überraschung der allermeisten Fußballfans nicht in die jährliche Entscheidungsrunde über Abstieg und Aufstieg muss, ist am Ende der Verdienst eines bestimmten Spielers. Der heißt Gian-Luca Waldschmidt und schoss am letzten Spieltag der abgelaufenen Saison sein erstes Bundesliga-Tor. Er schoss das entscheidende Tor zum Sieg, zwei Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit. Da war der Youngster gerade 110 Sekunden auf dem Feld. Eins ist jetzt schon fast sicher, sein erstes Bundesliga-Tor wird wohl auch sein wichtigstes bleiben. Sein letztes war das jedoch eher nicht.

Endlich mehr spielen

Vor rund 21 Jahren wurde Luca Waldschmidt in Siegen geboren, genauer gesagt am 19.Mai 1996. Ähnlich lange bastelt der Sohn von Ex-Darmstädter Wolfgang Waldschmidt schon an seiner Karriere. Mit fünf Jahren begann er bereits gegen das runde Leder zu treten. Im Jahr 2010 folgte dann der Wechsel auf das Nachwuchsleistungszentrum der Eintracht aus Frankfurt, die fortan seine fußballerische Ausbildung bis zur Profikarriere übernahm. Diese begann mit dem ersten Profivertrag Waldschmidts, den er am 25.April 2014 bei Heribert Bruchhagen unterschreib. Genau ein Jahr später, am 25.April 2015 erzielte er dann sein erstes Pflichtspieltor für die SGE in der ersten Runde des DFB-Pokals. Letztendlich brachte er es dann aber nur auf 15 Kurzeinsätze in der Bundesliga für die Eintracht. Zu wenig, auch aus der Sicht seines Vaters Wolfgang. Die Folge war ein Wechsel zum Hamburger SV im Sommer 2016. Die 1,3 Millionen Euro Ablöse waren die ersten, in einen Spieler investierten Kühne-Millionen. Druck verursachte die Summe bei Waldschmidt nicht, denn in Hamburg wollte der Stürmer sowieso neu angreifen und zu deutlich mehr Einsätzen kommen. Fazit nach einer Saison: Das hat nur bedingt funktioniert.

Endlich ein Treffer

Das kann auch daran liegen, dass Waldschmidt zwar ein sehr talentierter Fußballspieler ist, aber das nicht häufig genug unter Beweis stellen kann. Der 1,81 m große Angreifer ist sicher kein Mittelstürmer der klassischen Art. Dafür ist die Kombination aus mittlerer Größe und knapp 75 kg Körpergewicht aber auch nicht prädestiniert. Dementsprechend sind seine Vorzüge auch ganz anders gestreut. Waldschmidt hält den Ball gern am Boden, weil er so am meisten von seiner feinen Technik profitieren kann. „Ich bin gern am Ball“, sagt der Neu-Hamburger dazu. Hinzu kommt sein eigentlich starkes Passspiel. Aber auch das kam in dieser Spielzeit nicht so recht zur Geltung. Eine Passquote von 69% ist zwar für einen Stürmer noch ganz in Ordnung aber eben auch kein Indiz einer außerordentlichen Qualität. Vor dem Tor ist er zielstrebig und sucht schnell den Abschluss. Dass er torgefährlich ist mag man ihm da gerne glauben. Gesehen hat man es aber fast nie – bis zum letzten Spieltag. Und das war dann wohlgemerkt sein erster Treffer in der Liga, nach ganzen drei Jahren. Es geht aber auch anders. Das bewies der junge Stürmer im Regionalliga-Team des HS. Für die Hamburger Reserve erzielte er vier Treffer in fünf Spielen und bereitete einen vor. Die Tore werden bei Waldschmidt meist mit dem Fuß erzielt. Auch bei seinem Trainer Markus Gisdol gilt er nicht als besonders kopfballstark. Umso überraschender kam dann sein Torerfolg gegen Wolfsburg nach Kostic‘ Flanke. Die physische Komponente fehlt in seinem Spiel zwar etwas, dafür ist er aber aufgrund seiner guten Technik auch flexibel auf den Außenbahnen und als Hängende Spitze einsetzbar.

Endlich der Durchbruch?

Zum HSV kam Luca Waldschmidt damals um mehr zu spielen. Immerhin hat er in dieser Saison auch fast so viele Spiele gemacht wie in zwei Spielzeiten bei Frankfurt. Die Startelf beobachtete er jedoch meistens von der Bank. In 14 Einsätzen, durfte er nur drei Mal von Beginn spielen. Drei Mal kam er dabei über den Flügel. Auch das zeigt, wie groß die Konkurrenz im Angriff für den U20-Nationalspieler ist. Seit der U16 ist er Teil der DFB-Nachwuchsmannschaften. Doch sein Standing im Verein scheint immer noch relativ niedrig zu sein. Das hat sich mit dem letzten, rettenden Auftritt der Hamburger gegen Wolfsburg erst einmal verändert. Denn mit seinem Tor, hat Waldschmidt einen Platz in den Geschichtsbüchern des HSV sicher. Nun darf das nur keine Eintagsfliege bleiben. Schafft er es seine Stärken besser auszuspielen und so seine Trefferquote auszubauen, könnte ihm endlich der Durchbruch vom ewigen Talent zum Bundesliga-Stammspieler gelingen. Zeit um Gisdol von sich zu überzeugen hat er jetzt den ganzen Sommer, während der Vorbereitung auf die 1.Liga. Und dafür hat er fast ganz allein gesorgt.

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