Lange war der SV Werder Bremen im grauen Mittelfeld der Liga untergetaucht und kämpfte jedes Jahr nur um eine Sache, den Klassenerhalt. Auch die aktuelle Saison deutete da auf nichts Anderes hin, stand man doch bereits nach 3 Spielen wieder auf Platz 18, was gleichbedeutend mit der Freistellung von Viktor Skripnik war. „Aber denkste… “.

Denn in diesem Teil der Geschichtete trat ein neuer Protagonist auf die große Bühne der Bundesliga. Zwar ein Unbekannter, aber dafür ein umso Erfolgreicherer, wie sich später herausstellte. Die Rede ist von Alexander Nouri!

Dieser, mit 37 Jahren eher noch als jung geltende Trainer, übernahm die Werder Profis auf Rang 18 und führte sie auf Tabellenplatz 7. Somit hat er großen Anteil daran, dass man in Bremen wieder von Europa träumen darf. Doch wer meint, die Saison lief ganz nach dem für Julius Caesar kreierten Sprichwort, „er kam, sah und siegte“, muss sich als getäuscht bezeichnen. Den so schön und erfreulich, wie sich ein Weg von Platz 18 auf 7 anhört, war er gewiss nicht! Umso wichtiger war es, einen starken Mann in der Führung zu haben. In diesem Fall Alexander Nouri.

„… irgendwo in Buxtehude!“

Häufig wird diese Redewendung verwendet, wenn man nicht weiß, wo sich ein Ort befindet. Ein Mann, zu dem dieses Sprichwort passt, obwohl er weiß wo Buxtehude liegt und nebenbei ganz zufällig auch noch aktueller Cheftrainer des SV Werder Bremen ist, ist Alexander Nouri. Der 37-jährige Vater von zwei Kindern wurde am 20.08.1979 im bereits erwähnten Buxtehude geboren. Als Deutscher, der zudem Wurzeln im Iran besitzt, kann er durchaus auf eine gelungene Karriere als Spieler zurückblicken, auch wenn die ganz großen Erfolge ausblieben.

So durchlief er einen Teil seiner Ausbildung die Jugendteams des SV Werder Bremen, ehe er dort in der Saison 1998/99 den Sprung zu den Profis schaffte. Nach mehreren Jahren in der ersten und zweiten Mannschaft Bremens, in denen er für kurze Zeit nach Seattle (USA) ausgeliehen wurde, ging es für ihn über den KFC Uerdingen, den VfL Osnabrück und Holstein Kiel schließlich zum VfB Oldenburg.

Hier begann, während er selbst noch Spieler war, seine Karriere als Trainer. Zunächst ist er als Athletiktrainer in der Jugend von Oldenburg aktiv, ehe er im Sommer 2011 deren U17 übernahm. Jedoch trainiert er diese nur für kurze Zeit. Denn bereits im Herbst desselben Jahres wird er zum Co-Trainer der 1. Mannschaft befördert, mit welcher er 42 Spiele absolviert. 2012 beendet er schließlich seine Karriere als Spieler und widmet sich voll und ganz dem Trainerwesen.

Nicht zu Unrecht, wie sich schnell herausstellte. Denn bereits 2013 bis 2014 wird er sowohl sportlicher Leiter, als auch Cheftrainer des VfB Oldenburg und trainiert damit zum ersten Mal eine Herrenmannschaft als Headcoach. Nachdem er diese Saison äußerst positiv gestalten konnte und Platz 3 in der Regionalliga Nord erreicht, wird er nach Bremen geholt und übernimmt dort zunächst die zweite Mannschaft als Co-Trainer. Damaliger Cheftrainer ist Viktor Skripnik. Doch bereits nach 13 Spielen wird Skripnik zu den Profis hochgezogen, als Robin Dutt entlassen wird. Somit wurde Nouri bereits im Oktober 2014 Cheftrainer bei den Amateuren. Noch in derselben Saison schafften sie den Aufstieg in Liga drei, Nouris bisher größter Erfolg als Trainer.

Als dann in der aktuellen Saison Viktor Skripnik freigestellt wird, ist es wieder Nouri der von einer Entlassung profitiert und zunächst als Interimstrainer, kurz danach als Cheftrainer die Profis auf dem letzten Tabellenplatz übernimmt. Nun könnte man dies als reines Glück bezeichnen und seine Leistung dadurch schmälern. Doch wie Engin Yanova (Fußballlehrer und ehemaliger Trainer der U23 von Union Berlin) sagte: „Glück ist, wenn Vorbereitung auf Gelegenheit trifft.“ Und genau so war Alexander Nouri darauf vorbereitet und führte den Abstiegskandidaten auf aktuell Rang 7, wodurch ganz Bremen nun von Europa träumen kann.

Die Bremer Familie

Was kann Alexander Nouri so gut, dass er mit Werder nun die Möglichkeit hat, Richtung Europa zu blicken? Da wären einerseits natürlich seine fachlichen Stärken. Ähnlich wie Julian Nagelsmann und Domenico Tedesco, mit welchen er den Fußballlehrer absolviert hat, ist auch Alexander Nouri taktisch äußerst wissbegierig, intelligent und flexibel. So richtet sich System und Aufstellung stets nach Personalressourcen sowie nach Gegner, zuletzt gegen den FC Ingolstadt beispielsweise mit einer 3er-Kette äußerst erfolgreich.

Hinzu kommen seine großen Fähigkeiten im Bereich der Motivation und Teamführung. Nach dem Sprichwort- „Behandle deine Spieler stets wie deine besten Söhne und sie werden dir bis in den Tod folgen.“- schaffte Nouri es von Beginn an seine Mannschaft von sich zu überzeugen. Dies war mit ein Grund dafür, dass er nach seiner Zeit als Interimstrainer von Sportdirektor Frank Baumann einen Vertrag bis Saisonende erhielt. Mit seiner authentischen sowie offenen und ehrlichen Art ist er gleichermaßen bei Fans, als auch Spielern beliebt. Zlatko Junuzovic bezeichnet ihn als „Motivationsmensch“ und für seine motivierenden Ansprachen wurde er von Kapitän Clemens Fritz gelobt. Nicht ohne Grund schafft es ein Spieler wie Max Kruse, der nach seiner Station in Wolfsburg und der Fotoaffäre als gescheitert galt, wieder neu aufzublühen und am vergangenen Wochenende mit vier Toren in einem Spiel zu glänzen.

Auch seine Ruhe spielt eine besondere Rolle. Wie oft wurde er schon von den Medien angezählt, sollte er am Wochenende nicht gewinnen? Doch laut eigener Aussage hatte er nie Angst um seinen Job, sondern konzentrierte sich stattdessen auf seine Aufgaben und damit das, was er selbst beeinflussen kann. Erst am 21. Spieltag, beim 2:0 Auswärtssieg gegen Mainz gelang der Durchbruch. Seit seiner Zeit als Interimstrainer hatte er mit Geduld auf diesen Moment hingearbeitet, aller Kritik widerstanden und nun wurde er belohnt. Von diesem Tag an ging es für die Bremer steil bergauf, weil nun laut Nouri die antrainierten Mechanismen greifen und die Ergebnisse endlich stimmen. Innerhalb von 10 Spielen schaffte es der SV Werder Bremen so von Rang 16 auf Platz 7 und bringt alle Anhänger zum jubeln.

Es gibt allerdings noch eine weitere Gabe die den jungen Trainer auszeichnet: seine Medienkompetenz. Insbesondere im Bereich „social media“. Denn hier ist der Familienvater sehr aktiv. Egal ob ein Selfie mit seinen Spielern, bei dem er Max Kruse auch mal einen Arm über die Schulter legt, eine Videobotschaft, in der Nouri zum persischen Neujahrsfest gratuliert oder auch ein politisches Statement, wenn er dies für nötig hält. Stets zeigt sich der sympathische Trainer Fan nah und geerdet. Durch seine professionelle Außendarstellung besitzt er eine äußerst wichtige Plattform, um mit Fans zu kommunizieren und zu informieren.

Werder Bremen: Plan A

Wie es immer so ist im turbulenten Trainergeschäft: heute noch bei einem Verein einen neuen Vertrag unterschrieben und morgen bist du ganz woanders. Nur trifft dies eben auf Alexander Nouri nicht zu, scheitert es schließlich allein schon daran, dass eben noch kein Vertrag unterschrieben wurde. Zwar befindet sich Frank Baumann mit seinem Trainer im Gespräch, fix ist aber nach momentanem Stand noch nichts.

Trotzdem ist die Wahrscheinlichkeit relativ groß, dass Nouri bleibt. Denn als er am vergangenen Samstag im aktuellen Sportstudio zu Gast war und zu eben diesem Thema befragt wurde, äußerte er sich doch ganz deutlich: „Werder Bremen ist Plan A“. Die Bremer Fans dürfte das sicherlich freuen, schließlich hat man unter Nouri nach aktuellem Stand noch alle Chancen sich für die Europa League zu qualifizieren und damit zum ersten Mal seit 2011 wieder international spielen. Zudem betonte der aktuelle Werder Trainer, dass er sich in Bremen sehr wohl fühlt und sich mit der Stadt hervorragend identifizieren kann.

Wie es für den 37-jährigen in seiner Zeit nach Werder weitergeht und wohin es ihn vielleicht einmal ziehen könnte ist aktuell nur schwer bis gar nicht abzuschätzen. Zu kurz ist seine Trainerkarriere auf Profiebene um sein Potential genauestens abschätzen zu können. Aber als Bremen Fan wird man diese Zeit sicherlich sowieso erstmal verdrängen wollen, so gut wie es aktuell läuft.

 

Facebook-Kommentare